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MI | 11.04.2012
Schuhplattler (Bild: ORF)
BRAUCHTUMSVEREINE BAYERN
Aufregung über schwule Schuhplattler
Ein Ausflug des Vereins der schwulen Schuhplattler zum Hochstaufen nahe der Salzburger Grenze hat die Gemüter bei Brauchtumsvereinen in Bayern erhitzt. Sie sehen die männlich-kernige Schuhplatteltradition durch den Verein gefährdet.
Gruppe existiert seit 1997
Seit 1997 gibt es in München die Schuhplattlergruppe "Schwuhplattler", die ausschließlich aus homsexuellen Mitgliedern besteht. Dieses Wochenende machen die "Schwuhplattler" einen Vereinsausflug zum Hochstaufen - direkt über der Grenze zu Salzburg.

Die homosexuellen Schuhplattler sind Christian Brüderl vom Pidinger Trachtenverein "D'Staufenecker" ein Dorn im Auge. Denn beim Schuhplatteln kennt er keine Kompromisse: "Das Präsentieren wird nicht als Show oder so einen Zinnober gesehen, sondern das ist ein Brauch, den wir von unseren Vorfahren überliefert bekommen haben."
"Steht ihnen gar nicht mehr zu"
Deswegen ist Brüderl auch nicht begeistert darüber, dass die "Schwuhplattler" für ihren Vereinsausflug ausgerechnet die Steineralm am Fuße des Hochstaufens bei Piding ausgewählt haben.

Für den "Staufenecker" lassen sich Schuhplatteln und Schwulsein per Definition nicht vereinen: "Irgendwann mit dem Alter, wenn man verheiratet ist, hört man mit dem Schuhplatteln auf. Schuhplatteln ist ja ein Werbetanz für einen Buben, wenn er ein Dirndl gern mag, und nicht so ein Darstellung, was die da produzieren. Die sind ja - was ich weiß - im fortgeschrittenen Alter. Das steht ihnen ja gar nicht mehr so zu."
Zu wenige junge Schuhplattler in München
Sepp Stückl, Chef der "Schwuhplattler", reagiert auf diese Kritik gelassen: "In Oberbayern hat er Recht, weil da noch so viel Jugend da ist. Aber wenn ich mir die Münchner Vereine anschaue, da gibt es einen, die platteln schon nicht mehr, die machen nur noch Volkstanz, weil das Durchschnittsalter 65 ist."

Von diesen Nachwuchssorgen in München sei der schwule Plattlerverein nicht betroffen, betont Stückl: "Ich habe einmal scherzhaft gesagt: Obwohl wir nicht für unseren Nachwuchs selber sorgen, haben wir keine Nachwuchssorgen."
"Nicht gewohnt, dass sich wer beschwert"
Die Ablehnung der Pidinger Trachtenvereine überrascht Stückl aber, da seine Gruppe im Allgemeinen schon akzeptiert sei: "Sie haben sich vielleicht doch vorgestellt, dass wir das nicht ernsthaft machen, dass wir vielleicht rosa Lederhosen oder sonst was anhaben. Wenn wir einen Ausflug machen, sind wir es eigentlich nicht mehr gewohnt, dass sich irgendwer beschwert."
Trachtenvereine "unternehmen nichts"
Aber auch wenn der Besuch der "Schwuhplattler" einigen alteingesessenen Trachtenvereinen sauer aufstößt: Ihren Ausflug zum Hochstaufen werden sie trotzdem unbehelligt genießen können.

"Wir unternehmen da nichts", betont Christian Brüderl, "Da würden wir uns ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Wenn die selber nicht wissen, was sich gehört und nicht gehört - wir unternehmen nichts. Aber stinken tut's uns schon."
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