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MI | 11.04.2012
Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge in Zell am See. Bild: Feuerwehr Zell am See
CHRONIK
Flugzeugcrash wegen Pilotenfehlers?
Ein Pilotenfehler könnte die Ursache für den Zusammenstoß zweier Flugzeuge in Zell am See (Pinzgau) mit vier Toten sein. Die Piloten dürften voneinander gewusst, sich aber nicht gesehen haben, sagt ein Sachverständiger.
Wrack der Super Dimona.
Tragflächen berührten sich laut Zeugin
Die beiden Piloten flogen laut Polizei kurz vor der Landung übereinander und stießen um 15.44 Uhr in einer Höhe von 30 bis 50 Metern rund 100 Meter von der Landebahn entfernt zusammen. Zum Zeitpunkt der Kollision herrschten beste Wetterbedingungen und Sichtverhältnisse.

"Dann sehe ich zwei weiße Flieger - der rechte war höher oben gewesen, der andere niederer", schildert Augenzeugin Gabriele Schmiderer, "Die sind beide hereingeflogen. Dann müssen sie mit den Flügeln oder so zusammengekommen sein. Dann ist der eine wie ein Stein heruntergefallen und der andere auch."

Der Motorsegler des Typs "Super Dimona" und das Motorflugzeug - eine einmotorige, zweisitzige Cessna 150 - schlugen auf einer Wiese auf.
Drei Tote bei Flugzeug-Crash in Zell am See. Bild: Beate Trattner/ORF
Dabei waren beide auf der gleichen Funkfrequenz.
Piloten kommunizierten nicht miteinander
Der gerichtlich beeidete Sachverständige Thomas Muigg traf noch Sonntag am Unfallort ein und verschaffte sich bei der ersten Begutachtung der Wracks einen Überblick. Dem Funkverkehr zufolge dürften die beiden Piloten gewusst haben, dass sich auch ein anderes Flugzeug im Landeanflug befindet.

Möglicherweise habe der eine Pilot aber angenommen, dass der andere noch weiter entfernt sei, so der Sachverständige.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand kommunizierten die zwei Piloten nicht per Funk miteinander, obwohl sie sich auf der gleichen Funkfrequenz befanden: "Sie haben sich nicht gesehen, haben sich offensichtlich auch nicht in dieser Nähe voneinander vermutet", sagt Muigg.
Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge in Zell am See. Bild: Feuerwehr Zell am See
Tragflächen der Cessna
Bilder: Feuerwehr Zell am See & Beate Trattner/ORF
Tiefdecker flog oberhalb: Sichtproblem?
Die unterschiedliche Bauweise der Flugzeuge dürfte ein Sichtproblem verschärft haben.

Da der Motorsegler (Tiefdecker) - der oberhalb flog - die Tragflächen unterhalb der Sitzposition hat, die Flügel der Cessna (Hochdecker) oberhalb der Sitze angebracht sind, "haben sich die Piloten nicht gesehen", vermutet Christian Moser, einer der Geschäftsführer des Flugplatzes Zell am See.

Denn normalerweise sei es kein Problem, wenn sich mehrere Flugzeuge im Anflug befinden.
Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge in Zell am See. Bild: Feuerwehr Zell am See
Der Flugplatz in Zell am See (Bild: flugplatz-zellamsee.at)
Flugplatz Zell am See
Keine Kontrolle durch Tower
Der Flugplatz Zell am See ist ein unkontrollierter Flugplatz und verfügt nur über eine Piste. Die Piloten, die auf eigenes Risiko landen, müssen Positionsmeldungen abgeben.

"Sie bekommen vom Turm Informationen, aber keine Landanweisungen. An- und Abflüge erfolgen nach eigenem Ermessen der Piloten. Sie müssen auf Sicht fliegen und die notwendige Distanz zu anderen Flugzeugen einhalten", sagt Gerichtssachverständiger Muigg.

Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, dass die Piloten miteinander über Funk kommunizieren.
Zusammenstoß und Absturz zweier Flugzeuge in Zell am See. Bild: Feuerwehr Zell am See
Drei Tote bei Flugzeug-Crash in Zell am See. Bild: Beate Trattner/ORF
Trümmer der Cessna 150.
Weitere Auswertung der Wracks
Die Wracks wurden mittlerweile in eine Halle der Firma Zemka in Zell am See gebracht. Dort wird Muigg die restlichen Teile begutachten. Auch ein Experte der Flugunfalluntersuchungsstelle des Verkehrsministeriums wird die Wracks untersuchen.

Es werden noch Zeugen befragt. Möglicherweise haben auch Navigationsgeräte in den beiden Flugzeugen Daten gespeichert, die dann ebenfalls überprüft werden. "Es wird alles eruiert, was man eruieren kann. Alle Aufzeichnungen werden ausgewertet", sagt Polizeisprecher Anton Schentz.

Man erwarte sich auch Aufschlüsse vom Funkverkehr. Die Flugunfallkommission werde aus dem Ermittlungsergebnis versuchen, Schlüsse ziehen, um solche Zusammenstöße in Zukunft verhindern zu können.
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