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MI | 11.04.2012
Kessel mit Milch (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Mehr Milchgeld durch eigenen Vertrieb
Von den vor zwei Jahren gefordeten 47 Cent pro Liter Rohmilch sind die Milchbauern nach wie vor entfernt. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die IG Milch aber einen eigenen, österreichweiten Vertrieb aufgebaut.
"Verkaufen die Milch selber"
Herbert Birgmann ist einer von 60 Salzburger Bauern, die ihre Milch seit April nicht mehr an einen der großen Milchverarbeitungsbetriebe liefert sondern an die eigene "Freie Milch Austria". Die Gesellschaft ist ein Zusammenschluss von 600 Milchbauern in ganz Österreich, die ihr Produkt nun selbst am Markt verkaufen.

Der Flachgauer Nebenerwerbsbauer Birgmann sieht darin Vorteile: "Jetzt verkaufen wir die Milch selber, wir sammeln die Milch selber und die Milch wird entweder wochenweise oder monatsweise verkauft. Es gibt auch Jahresverträge, wenn der Preis passt. Wir wissen schon im Vorhinein, was auf uns zukommt. Wir müssen nicht auf's Monatsende warten und schauen, was herauskommt."
Milchlaster der Freien Milch Austria (Bild: ORF)
Preise sollen aber langfristig steigen.
Aktuell 36 Cent pro Liter
Jeden zweiten Tag wird die Milch vom eigenen Wagen abgeholt. 78 Millionen Liter Milch produzieren die Bauern der Freien Milch Austria für den Markt. 80 Prozent gehen in den Export - vor allem nach Italien und Deutschland.

Die Bauern bekommen aktuell 36 Cent für den Liter Milch, sagt Geschäftsführer Ernst Halbmayr: "Unsere Forderung von 40 Cent in Europa und 47 Cent in Österreich ist weiterhin aufrecht. Wir sind diesem Ziel mit der Gründung der Freien Milch Austria aus meiner Sicht einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Aber dass das nicht von einem Tag auf den anderen geht, sondern dass das wahrscheinlich ein langer, mühsamer Weg sein wird, das muss uns auch klar sein."
Viele Milchbauern haben aufgehört
2009 lagen die Erzeuger-Milchpreise teilweise unter 30 Cent. Dass sie jetzt wieder etwas höher sind, hat für Halbmayr verschiedene Ursachen: "Das hat zum einen den Grund, dass wir auf dem Markt aufgetaucht sind und mit den Molkereien beim Milchproduzenten in Konkurrenz stehen. Zum anderen ist es aber auch, dass sich sehr viele aus der Milchproduktion verabschieden wollen, weil das Krisenjahr 2009 einfach Spuren hinterlassen hat."

Zusammenschluss und Selbstvermarktung statt öffentlicher Protestaktionen - das ist die neue Strategie der Bauernrebellen für einen langfristig besseren Milchpreis.
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