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MI | 11.04.2012
Arbeit in der Restaurantküche (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Ausbeutung von Lehrlingen im Tourismus
Unbezahlte Überstunden, Schikanen, extremer Arbeitsdruck, geringe Wertschätzung, Ausbeutung: Nirgendwo in der Lehrlingsausbildung ist die Aussteigerrate so hoch wie in Tourismus und Gastronomie.
Elf warfen in St. Gilgen das Handtuch
Rund 600 Jugendliche beginnen jedes Jahr eine Ausbildung im Gastgewerbe, jeder dritte steigt vorzeitig wieder aus. Die Gewerkschaft fordert deshalb strengere Kontrollen und auch strengere Strafen für jene, die Lehrlinge ausbeuten.

Die Gewerkschaft VIDA weiß viele Beispiele zu zitieren, in denen Lehrlinge ausgebeutet und unter Druck gesetzt werden. Zum Beispiel ein Restaurant in St. Gilgen, das in den vergangenen sechs Jahren elf Lehrlinge eingestellt hat.

Alle elf hätten vorzeitig den Betrieb wieder verlassen, sagt Thomas Berger, Landesgegeschäftsführer der Gewerkschaft VIDA: "Das ist - zugegeben - schon ein Ausnahmefall."
Ein Drittel steigt vorzeitig aus
Was er an drastischen Fällen erfahre, sei nur die Spitze eines Eisberges, sagt der Gewerkschafter.

Jeder dritte Lehrling steigt vorzeitig aus der Ausbildung aus, ergänzt Walter Androschin, Gewerkschaftsvorsitzender: "Man kann sagen, es gibt auch unter den Lehrlingen Pfeifen, die aussteigen. Aber wenn das Betriebe sind, wo die Mehrheit der Lehrlinge die Lehre nicht beenden, dann wirft das ein bezeichnendes Bild auf den Betrieb."

Bei mehr als zehn Prozent aller Tourismusbetriebe liege es bei der Lehrlingsausbildung im Argen, meint Berger. Er will strenge Kontrollen und den betreffenden Betrieben die Ausbildungsberechtigung entziehen.
"Behörden weitgehend untätig"
Der Gewerkschafter kritisiert das Vorgehen der Behörden: "Es ist eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu machen und ein Antrag zu stellen auf Entzug der Gewerbeberechtigung. Da sind wir schon beim Kern des Problems. Keine Bezirkshauptmannschaft eröffnet gern ein Verfahren gegen einen Hotelier im regionalen Bereich. Das ist das Problem."

In den vergangenen zwölf Monaten wurde keinem einzigen angezeigten Betrieb die Ausbildungsberechtigung entzogen.

Das angesprochene Restaurant in St. Gilgen werde - so der Gewerkschafter - aber jetzt dieser Strafe nicht entgehen.
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