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MI | 11.04.2012
Computeranimation für neues Messezenturm in Salzburg (Bild: kadawittfeldarchitektur)
STADT SALZBURG
Kritik: Keine Solarzellen auf neuer Messehalle
In Salzburg-Liefering wird zurzeit die neue große Messehalle im Messezentrum gebaut. Aber auf 15.000 Quadratmeter Dach kommen keine Solarzellen - entgegen der vollmundigen Erklärungen zur "Energiewende", kritisieren Grüne und ÖVP.
Grüne kritisieren Entscheidung scharf
Zu einem "Wertewandel in der Energiepolitik" und zum "Ausbau der erneuerbaren Energie" verpflichtete sich die Salzburger Landesregierung erst vor zwei Wochen in einer durchaus pathetischen Erklärung.

Doch das war nur Theorie. In der Praxis ist für die grüne Abgeordnete Astrid Rössler die Entscheidung im Messezentrum der Beweis, dass es Salzburg mit der Energiewende nicht ernst meint.

"Solange es sich Salzburg leisten kann, 15.000 Quadratmeter Messehalle leerstehen zu lassen und keine Photovoltaikanlagen zu errichten - und das ist ausschließlich in öffentlicher Hand von Land, Stadt und Wirtschaftskammer - will ich auch keinen Beton in der Salzach haben", sagte Rössler. Damit meinte sie neue Wasserkraftwerke in der Salzach.
Würden sich nicht rechnen, sagt Finanzreferent.
Photovoltaik für Brenner nicht wirtschaftlich
Für das Land begründete Finanzreferent David Brenner (SPÖ) den Verzicht auf eine Photovoltaikanlage auf dem Messehallendach damit, dass sich eine solche nicht rechnen würde.

Photovoltaik auf 10.000 Quadratmeter Dach kosten demnach 8,8 Millionen Euro und bringen pro Jahr 125.000 Euro Ertrag über Strom. Unrentabel sei das deshalb, weil die Solar-Förderungen des Bundes bis 2016 ausgeschöpft sind.
Dächer werden für Solaranlage vorbereitet
Doch auch Energielandesrat Sepp Eisl (ÖVP) ist für Solarzellen auf den Messedächern. Diese seien technisch für die Nutzung von Sonnenenergie vorbereitet worden, betonte Eisl.

"Was zu begrüßen wäre, wenn sich dort Unternehmen finden und sagen: Wir wollen diese Fläche nutzen, eine Photovoltaikanlage anbringen und die auf eigenes Risiko und eigenen Gewinn betreiben", sagte Eisl.
Ist für Photovoltaik-Anlage auf dem Messedach.
Kritik von Eisl: "Land sollte Vorbild sein"
Dass die Messe - als Gesellschaft von Land, Stadt und Wirtschaftskammer - eigentlich selbst diese Solaranlage bauen könnte, "kann ich nicht entscheiden", sagte Eisl. "Der Eigentümervertreter ist nach der Geschäftseinteilung Kollege Landeshauptmann-Stellvertreter Brenner. Der ist der Meinung, das rechnet sich zurzeit nicht und aus diesem Grund soll man's nicht machen."

"Ich persönlich bin der Meinung: Man muss auch als Land Vorbild sein und manche Dinge selbst machen", betonte Eisl. "Die Chance ist noch nicht vertan, weil die Flächen in Wirklichkeit nutzbar sind. Und mir ist wichtiger, dass in Zukunft diese Fläche verwendet wird als dass man auf der grünen Wiese Flächen zupflastert."
Baustelle im Salzburger Messezentrum (Bild: ORF)
Abriss und Neubau in sieben Monaten
Unterdessen hat der Abriss der alten Hallen 10 bis 15 des Messezentrums schon begonnen. Die neue große Halle soll die alte Anlage mehr als nur ersetzen: 15.000 Quadratmeter Messefläche und 2.500 Quadratmeter Tagungs- und Kongressräume sind geplant.

Noch ambitionierter ist der Zeitplan: Bis zur "Alles für den Gast" im Herbst soll alles fertig sein. Messechef Henrik Häcker spricht von einem "sportlichen" Vorhaben: "Wir haben eine Bauzeit von sieben Monaten. Am 28. Oktober ist die Übergabe - da sind die Hallen schon wieder vermietet. Bis dann muss alles stehen und funktionieren. Es wird vieles vorgefertigt, sonst wär's gar nicht machbar. Es wird schon im Hintergrund produziert. Ich denke, das wird absolut termingerecht fertig."
Für Finanzreferenten Brenner dennoch wichtig.
Halle nicht wirtschaftlich zu führen
Wirtschaftlich droht der neuen Halle 10 ein ähnliches Schicksal wie der Salzburg Arena: Die neue Halle wird ihre eigenen Kosten nicht erwirtschaften können, räumt auch David Brenner ein.

Gesamtwirtschaftlich sei die Halle trotzdem sinnvoll: "Wenn man erwartet, dass die Messe selbst dadurch Millionen verdient, dann ist die Rechung nur zum Teil richtig gemacht. Wenn man aber sieht, was im ganzen Umfeld für das Land Salzburg, für die Wirtschaft, für die Hotels, für den Tourismus hier passiert, dann rechnet sich das allemal."
Konkurrenz Kongresshaus-Messezentrum?
Dass das Messezentrum damit dem Salzburger Kongresshaus Kundschaft wegnehmen wird, glaubt Brenner nicht: "Das Kongresshaus hat von seiner Positionierung durchaus andere Aufgaben. Im Kongresshaus finden Veranstaltungen für einige hundert Leute bis zu 2.000/3.000 Personen statt. Hier in der Messe reden wir von völlig anderen Dimensionen."

Der erste Großkongress ist für 2013 gebucht. Dann werden 5.000 Krebsspezialisten in Salzburg tagen.
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