Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Kreuz (Bild: APA/Georg Hochmuth)
CHRONIK
Missbrauchsvorwürfe: Schweigegeld gezahlt?
Die Plattform der Betroffenen von kirchlicher Gewalt fordert, dass die Arbeit der Klasnic-Kommission untersucht und die Kommission aufgelöst wird. Dabei geht es um die Frage, ob diese Schweigegeld angeboten hat. Die Kommission bestreitet das.
50.000 Euro und Therapiekosten
Hintergrund der Forderung ist unter anderem der Vergewaltigungsvorwurf gegen den Salzburger Domprediger Peter Hofer.

Stimmt die Zahl in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil", dann hat die kirchliche Opferschutzkommission unter Ex-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic beschlossen, der Frau 50.000 Euro Schmerzensgeld und Therapiekosten zu bezahlen. Für die Plattform handelt es sich dabei aber um Schweige- und nicht um Schmerzensgeld.

"Wenn der Fall so stimmt wie im aktuellen 'profil' beschrieben, ist Schönborns Klasnic-Kommission einmal mehr rücktrittsreif. Obwohl ein schweres Verbrechen angenommen werden muss, wurden von der Kommission und von Bischof Kothgasser keine Konsequenzen gesetzt - der mutmaßliche Täter ist nach wie vor im Kirchendienst", sagt Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt.
Hofer: Sexuell intim sei das Verhältnis erst 1985 geworden, als die Frau bereits volljährig war.
Pfarrer gestand sexuelle Beziehung
Wie berichtet, hat eine jetzt 47-jährige Salzburgerin angezeigt, dass Hofer sie wiederholt vergewaltigt habe - und zwar zwischen ihrem 16. und 22. Lebensjahr.

Hofer hatte ein sexuelle Beziehung öffentlich eingestanden, aber erst als die Frau volljährig gewesen sei - und die Intimitäten seien stets freiwillig gewesen. Im aktuellen "profil" wiederholt die Betroffene die schweren Vorwürfe - was nun auch die Plattform der Betroffenen kirchlicher Gewalt auf den Plan ruft.
Kommission weist Vorwürfe zurück
Herwig Hösele, der Sprecher der Klasnic-Kommission, weist alle Vorwürfe entschieden zurück: "Ich kann ihnen nur ganz generell sagen, dass bisher 800 Fälle an uns herangetragen wurden. In 167 hat es bereits Entschädigungsentscheidungen gegeben, die sich in vier Kategorien von 5.000, 15.000, 25.000 Euro und darüber hinaus bewegen."

"Zusätzlich werden darüber hinaus noch Therapiekosten bezahlt und bewilligt. Damit kann es durchaus sein, dass es auch Zahlungen in der Größenordnung von 50.000 Euro gibt. Die Behauptung des Schweigegeldes weise ich entschieden zurück. Denn jeder Betroffene kann sich jederzeit an die Gerichte und an die Öffentlichkeit wenden", so Hösele.

Die Opferschutzkommission kommentiere generell keine Einzelfälle, so Hösele. Nur soviel: die Kommission entscheide im Zweifel für die Betroffenen, deshalb seien die Zahlungen auch kein Schuldeingeständnis.
"Von Schweigegeld kann keine Rede sein!"
Von Schweigegeld will auch Pfarrer Hofer nichts wissen. "Von Schweigegeld kann keine Rede sein. Es war der Versuch, ihr zu helfen. Sie ist mir ja nicht egal. Es war auch kein Schuldeingeständnis. Ich werde nie etwas zugeben, was nicht passiert ist. Wenn sie Forderungen hat, soll das vom Gericht geklärt werden", so der Betroffene in der aktuellen "profil"-Ausgabe.

Sollte hier tatsächlich Schweigegeld bezahlt worden sein, sei die Klasnic-Kommission nicht nur reif für den Rücktritt - die Vorgänge müssten objektiv aufgeklärt werden, meint dagegen die Plattform.
Ganz Österreich
Salzburg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News