Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Was damals Recht war (Bild: verein industriekultur und alltagsgeschichte)
POLITIK
ÖVP-Sekretär verteidigt NS-Kampfflieger
Ein Artikel von Bernd Huber, Büroleiter des Salzburger ÖVP-Vizebürgermeisters Harald Preuner, sorgt jetzt für heftige Kritik. Darin verteidigt Huber den Wehrmachtspiloten und Rechtsradikalen Hajo Herrmann.
"Verweigerter Nachruf" für Hajo Herrmann
Der umstrittene Artikel steht auf Seite sechs in der aktuellen Ausgabe von "Kameradschaft Aktiv", dem Heft des Salzburger Kameradschaftsbunds. In dem Text unter dem Titel "Der verweigerte Nachruf" schwärmt Bernd Huber von dem hochdekorierten Nazi-Offizier Hajo Herrmann.

Der sei ein wagemutiger Kampfflieger gewesen, ein "aufrechter und gerader Mensch" und ein tadelloser Soldat. Seine Kämpfe im Zweiten Weltkrieg werden ausdrücklich gewürdigt. Dabei war Hajo Herrmann nach dem Krieg sehr eng der rechtsextremen und neonazistischen Szene verbunden.
Artikel von Bernd Huber über Hajo Herrmann (Screenshot: ORF)
Der Artikel von Bernd Huber in "Kameradschaft aktiv".
Kritik an Zeitung, weil ihr "Einsatz für Deutschland" nicht gefiel.
Ärger über Ablehnung durch FAZ
Kritik übt Huber auch an der renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Die hatte es im vergangenen November abgelehnt, eine Todesanzeige für Herrmann zu drucken - offenbar auf Grund seines Nazi-Hintergrunds.

Bernd Huber schreibt über die FAZ: "Auf die Nachfrage, was denn bei der Todesanzeige politisch sei, führte zur Auskunft, dass es sich bei den angeführten Auszeichnungen um solche der NS-Zeit handle und die Formulierung 'Einsatz für Deutschland' abgelehnt werde."
Herrmann verteidigte bekannte Neonazis
Der Nazi-Hintergrund Hajo Herrmanns wird in Bernd Hubers Artikel nicht erwähnt. Nach dem Krieg und zehn Jahren Gefangenschaft wurde Herrmann Rechtsanwalt und verteidigte mehrere Holocaust-Leugner wie zum Beispiel David Irving. Außerdem traf der Alt-Nazi immer wieder führende Rechtsradikale.

Weil all das in Bernd Hubers Text verschwiegen wird, fiel der Artikel Brigitte Bailer auf. Sie ist die Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstand (DÖW), das die rechte Szene sehr genau beobachtet.
DÖW sieht "Tendenz-Geschichtsschreibung".
Artikel "blind für negative Seiten"
Für Bailer ist Hubers Artikel "einfach ein sehr gutes Beispiel für bekannte Argumentationsmuster einer Tendenz-Geschichtsschreibung, die - aus welchen Motiven auch immer, das kann Unwissenheit oder politische Absicht sein - versucht, den Nationalsozialismus zumindest in einem schönen Licht darzustellen."

Der Artikel sei "blind für alle negativen Seiten des NS-Regimes und er ist auch blind für alle militärischen Aspekte des Zweiten Weltkriegs."
Autor: Nicht genug Platz in Artikel
Bernd Huber weist die Kritik zurück. Zeilen über Hajo Herrmanns Nazi-Verbindungen hätten in dem Artikel keinen Platz gehabt: "Es handelt sich um keinen umfassenden Artikel. Es handelt sich lediglich um die Person, den Soldaten Hajo Herrmann, nicht um dessen allenfalls bestehende politische Bedeutung und auch nicht um weiterführende Fragen."

Des Vorwurfs, auf dem rechten Auge blind zu sein, "kann ich mich jetzt schlecht erwehren", gibt Huber zu, "Ich habe nicht die Absicht gehabt, eine umfassende Darstellung zu schreiben. Das hätte den Rahmen von einer halben Seite auch bei Weitem gesprengt."

Die NS-Verbrechen lehne er klar ab, betont Bernd Huber: "Darüber brauchen wir gar nicht zu reden."
Ganz Österreich
Salzburg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News