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MI | 11.04.2012
Schulklasse (Bild: ORF)
BILDUNG
Mitreden in politischer Bildung nicht vermittelt
Österreichs Jugend wird in der Schule zu wenig zum politischen Mitreden und Mitbestimmen motiviert. Stattdessen würden in politischer Bildung vor allem Fakten vermittelt, lautete die Kritik bei einem Kongress in Salzburg.
Starke Zivilgesellschaft kein Ziel
Lehrer und 14-Jährige Schüler aus 38 Ländern wurden in einer weltweiten Studie zur politischer Bildung befragt. Die Ergebnisse dieser "International Civic and Citizenship Education Study" (ICCS) sind im Hinblick auf die demokratische Beteiligungsfreude der Österreicher ernüchternd

"Die Studie belegt, dass diese Anleitung zur Mitbestimmung - sei es in der Schule oder in der Zivilgesellschaft - in Österreich von den Lehrern nicht als Ziel der politischen Bildung gesehen wird", sagte die Klagenfurter Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle bei einer Tagung über "Politik aus Kindersicht" in St. Virgil, "Hier geht's mehr um Fähigkeiten und auch im Wissen, aber weniger wirklich um konkrete Mitbestimmung."
2eniger Bereitschaft zu diskutieren, demonstrieren, streiken."
Bei politischer Aktivität "relativ passiv"
Deshalb sind Österreichs Schüler auch wenig an politischer Aktivität interssiert.

"Sich informieren über Politik, diskutieren, streiken, demonstrieren und so weiter - dieses Bewusstsein ist in Österreich relativ unterdurchschnittlich", betont Stainer-Hämmerle, "Bei allem, was Eigenaktivität erfordert, verhalten sie sich relativ passiv. Dagegen sind ihnen diese 'staatsbürgerlichen Pflichten' sehr bewusst und die wollen sie auch und die erfüllen sie auch."
Forderung: Politische Bildung ohne Note
Italienische, englische oder polnische Schüler engagieren sich über die Schule viel öfter für die Umwelt als Österreicher.

"Ich glaube, es braucht eine projektorientierte Form, eine spielerische Form", sagt die Politikwissenschafterin, "Aber es braucht vor allem auch eine Form der politischen Bildung, die nicht unter einem Benotungs-Zwang steht. Es soll Freude machen und es soll vor allem durch praktische Erfahrung Mut machen, sich einzumischen."
Schülerparlamente als Anfang
Sich mehr einmischen, demokratische Spielregeln aufstellen und sich daran halten - das können Kinder in Schulparlamenten lernen und üben. Stainer-Hämmerle baute in Klagenfurt das erste Schulparlament für Volkschüler auf.

In Salzburg gibt es punktuelle Schülerparlamente, sagt Christoph Kühberger, Politikwissenschaftler und Vizerektor der Pädagogischen Hochschule.
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