Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
"Im Schatten von Hitlers Heimat" - zeitgeschichtlicher Reiseführer über Oberösterreich. Bild: Czernin Verlag, ORF
BÜCHER
Salzburger beleuchten Hitlers Heimatland
Drei Salzburger Autoren schildern die Geschichte Oberösterreichs während des Nationalsozialismus. Entstanden ist ein neuer "Reiseführer" durch Hitlers Heimatland. Das Buch begibt sich auch auf die Suche nach Spuren von Widerstandskämpfern und Opfern.
"Im Schatten von Hitlers Heimat" - zeitgeschichtlicher Reiseführer über Oberösterreich. Bild: Czernin Verlag, ORF
Schloss Hartheim, wo Zehntausende Menschen mit Behinderungen und KZ-Häftlinge aus Ebensee bzw. Mauthausen vergast wurden.
"Im Schatten von Hitlers Heimat" - zeitgeschichtlicher Reiseführer über Oberösterreich. Bild: Czernin Verlag, ORF
Cover des neuen Reiseführers.

Von Katharina Maurer, ORF Oberösterreich
Blicke über Grenzen: Rolinek, Strasser, Lehner
Dass sehr viele Salzburger ihre familiären Wurzeln in Oberösterreich haben, das ist allgemein bekannt. Dass nun drei Salzburger die oberösterreichische Landesgeschichte aufrollen und in einem Buch publizieren, das ist etwas Neues.

Es geht um den nunmehr druckfrischen zeitgeschichtlichen Reiseführer "Im Schatten von Hitlers Heimat", geschrieben von den Salzburgern Susanne Rolinek, Christian Strasser und Gerald Lehner.

Im Vorjahr hat das Trio einen zeitgeschichtlichen Reiseführer über den Nationalsozialismus in Salzburg geschrieben. Nun schildern sie die NS-Verstrickungen in Oberösterreich, dazu auch Schicksale der in der Region zahlreich aktiven Widerstandskämpfer.
Susanne Rolinek, Salzburger Historikerin und Provenienzforscherin. Bild: ORF
Rolinek
Dubiose Nazi-Astronomie: "Welteislehre"
Das Konzentrationslager Mauthausen und Schloss Hartheim bei Alkoven: Das sind Orte, deren geschichtliche Vergangenheit als Stätten des Massenmordes bestens bekannt ist.

Weniger bekannt ist jedoch, dass in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf dem Pöstlingberg bei Linz ein eigenes Nazi-Universum geplant gewesen wäre. Dort wollte Hitler eine neue Astronomie erfinden.

Eine weitere größenwahnsinnige Idee, die nie zur Umsetzung kam, sagt die Salzburger Historiker und Autorin Susanne Rolinek: "Die Nazis planten hier eine Sternwarte zu Ehren von Hanns Hörbiger. Dieser hat eine dubiose Theorie von der Entstehung des Universums propagiert, die sogenannte Welteislehre - eine Mischung aus Esoterik und handgestrickter Astronomie, die allen physikalischen Erkenntnissen von Einstein und Newton widersprach."
Pöstlingberg bei Linz. Bild: ORF
Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberg bei Linz. In einem der bis 1945 mit Tarnfarbe angestrichenen Kirchtürme befand sich eine Abhörstation für den Funk gegnerischer Bomberverbände der USA.
Christian Strasser, Medienwissenschafter, Jurist, Zeitungsmanager. Bild: ORF
Strasser
"Ein Buch gegen das Vergessen"
64 Stationen umfasst das knapp 300 Seiten starke Buch, 64 Stationen, an denen der Nationalsozialismus seine sichtbaren und unsichtbaren Spuren in Oberösterreich hinterlassen hat.

Es soll ein Buch gegen das Vergessen sein. Und auf keinen Fall ein Reiseführer für "Ewig Gestrige", betont der Autor, Medienwissenschaftler und Zeitungsmanager Christian Strasser von den "Salzburger Nachrichten" ("SN"): "Das Buch eignet sich für Rechtsradikale als Anleitung überhaupt nicht. Es erzählt bewusst die Geschichten vieler Opfer Hitlers und zeichnet auch die Spuren von vergessenen Widerstandskämpfern nach. Von diesen gab es in Oberösterreich neben zahlreichen NS-Schwerverbrechern besonders viele."
Egon Ranshofen-Wertheimer
Egon Ranshofen-Wertheimer, Diplomat, Jurist, Mitbegründer der UNO. Bild: Archiv Gerald Lehner
Braunau am Inn ist auch die Heimat dieses einflussreichen Mannes, der einst den Nationalsozialismus von Amerika aus bekämpfte: Egon Ranshofen-Wertheimer war Berater des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und 1945 auch Mitbegründer der Vereinten Nationen (UNO).
Gerald Lehner, ORF-Redakteur und Autor. Bild: ORF
Lehner
Hitlers Braunauer Gegenspieler in den USA
Dass Braunau zwei ganz unterschiedliche Söhne hervorgebracht hat, ist ebenfalls kaum bekannt. Ist doch die heutige Bezirksstadt am Inn nicht nur der Geburtsort Hitlers - sondern auch der von Egon Ranshofen-Wertheimer.

Der Salzburger Autor Gerald Lehner hat in den USA die Arbeiten des Diplomaten und Wissenschaftlers aus dem Innviertel erforscht: "Seinem Einfluss hat Österreich unter anderem auch den Marshallplan zu verdanken. Ranshofen-Wertheimer wurde von vergesslichen Politikern der Nachkriegszeit bewusst verschwiegen, weil er auch die Mitverantwortung österreichischer Nazis am Untergang des Landes nicht unter den Teppich kehren wollte."
SS-Reichsführer Heinrich Himmler in Salzburg. Bild: Stadtarchiv Salzburg, Franz Krieger Reiseführer über NS-Geschichte von Salzburg
"Im Schatten der Mozartkugel" ist ein neuer Reiseführer durch die braune Topografie von Salzburg und das Verschweigen seit 1945. Im Mittelpunkt stehen Stadt und Land - nahe Hitlers globaler Machtzentrale auf dem Obersalzberg.
Ganz Österreich
Salzburg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News