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MI | 11.04.2012
Erzabtei St. Peter in Salzburg (Bild: ORF)
KIRCHE
Erzabt gesteht Missbrauchsvorwurf ein
Bruno Becker, Erzabt von Österreichs ältestem Kloster St. Peter in Salzburg, hat am Montag eigestanden, Ende der 1960er Jahre in Grödig (Flachgau) einen Buben missbraucht zu haben. Becker erklärte seinen Rücktritt.
Opfer meldete sich bei Ombudsstelle
Das Opfer hatte sich im Herbst 2009 über einen Ombudsmann an Becker gewandt. Zugetragen hatte sich der Übergriff 1969 in Grödig, der Heimatgemeinde des damals 24-jährigen Becker.

Der heute 64 Jahre alte Erzabt war zu diesem Zeitpunkt schon Mönch in St. Peter, aber noch nicht zum Priester geweiht.
"Musste ihm beichten, was er verbrochen hat"
Mit elf Jahren sei er zum ersten Mal missbraucht worden - auf dem Kirchturm von St. Peter, in Absturzgefahr, schildert der 53-jährige gebürtige Salzburger. Sechs Jahre lang sei er danach immer wieder Opfer zweier Mönche gewesen - unter ihnen sei sein Beichtvater gewesen:

"Da musste ich beichten, dass ich Unkeusches mit anderen getan habe. Und er gab mir die Absolution. Im Grunde genommen musste ich ihm das beichten, was er verbrochen hat", sagt der 53-Jährige.
Missbrauch in Grotte.
"Wurde in der Grotte vom Erzabt missbraucht"
Einmal - im Alter von zwölf Jahren - sei er in einer Grotte vom jetzigen Erzabt missbraucht worden, ergänzt der 53-Jährige: "In dieser Grotte war ich war im Grunde genommen schon von vornherein wehrlos."
Rücktrittsangebot erst nach ORF-Recherche
Der Abt gestand diesen - wie er sagt - einmaligen Missbrauch vor 40 Jahren ein. Er hatte dem Opfer zunächst schriftlich 5.000 Euro geboten und gebeten, keine weiteren Schritte zu veranlassen. Erst nach ORF-Recherche kam am Montagabend das Rücktrittsangebot an die Ordensoberen.
Mönche mit den Vorwürfen konfrontiert.
Mutmaßliche Haupttäter zur Rede gestellt
Auch die beiden mutmaßlichen Haupttäter habe er im Jahr 2009 mit seinen Vorwürfen konfrontiert, bestätigte der 53-Jährige: "Dabei habe ich von ihnen auch das Geständnis erhalten."
"Sogar Handgreiflichkeiten unter Patres"
Der 53-Jährige war aber möglicher Weise nicht das einzige jugendliche Opfer: "Einmal kam es unter den Patres sogar zu Handgreiflichkeiten, weil dieser Pater auch mit Leuten aus dem Juvinat oder Konvikt Beziehungen begonnen hatte", sagt der Mann.
Zwei Ex-Mönche als Sextouristen.
Zwei Ex-Mönche als Sextouristen ausgeforscht
Ein Mönch verließ daraufhin den Orden, der zweite war nach 1975 als Priester in Pfarren und Klöstern in Oberösterreich und Bayern tätig.

Laut Staatsanwaltschaft Salzburg wurden beide im Jahr 2005 als Sextouristen in Marokko festgenommen. Wegen schweren Missbrauchs an minderjährigen Marokkanern wurde ein ehemaliger Mönch als 68-Jähriger in Salzburg verurteilt.
Erzabt: "Bedaure Vorfall heute noch zutiefst"
Konfrontiert mit den Erinnerungen des Opfers gestand Becker die einmalige sexuelle Handlung ein und entschuldigte sich bei einem persönlichen Gespräch im November in Wien.

Er bedauere diesen Vorfall heute noch aufs Tiefste und bitte um Verzeihung, heißt es in einer Presseerklärung.
Erzdiözese: Seither keine Übergriffe
Es habe vorher und später keine weiteren Übergriffe vonseiten Beckers gegeben - weder an dem Betroffenen noch an anderen Personen, betont die Erzdiözese in der Erklärung. Es habe in den Jahrzehnten seither auch keinen Kontakt zwischen dem Opfer und Becker gegeben.

Der Erzabt hat dem Vorsitzenden der Benediktinerklöster in Österreich, Abtpräses Christian Haidinger vom Kloster Altenburg, seinen Rücktritt angeboten. Dieser muss ihn jetzt formell annehmen. Die Amtsgeschäfte im Kloster St. Peter führt zurzeit der Prior Korbinian Birnbacher.
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