Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Steckdose mit Stecker (Bild: DPA)
ENERGIE
Stromnetz soll künftig Verbrauch regulieren
Wann genau die Waschmaschine wäscht oder der Trockner arbeitet, sollen in Zukunft auch die Stromversorger mitentscheiden. Das kündigte Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber bei einer Diskussion in Salzburg an.
Netze sollen Stromverbrauch mitregeln
Mit Hilfe besserer Steuerungstechnik sollen die Stromnetze mitentscheiden können, wo wann wie viel Strom verbraucht werde, sagte Anzengruber am Freitagabend bei einer Diskussion mit grünen Unternehmern vor der Wirtschaftskammerwahl Anfang März.

Der Stromverbrauch solle so besser über den Tag verteilt werden.
Derzeit sehr ungleiche Verteilung über den Tag
Der Stromverbrauch der österreichischen Haushalte ist zurzeit sehr ungleich über den Tag verteilt. Vor allem in der Früh und am frühen Abend liegen die größten Spitzen.

Die Stromversorger bekommen mit dem insgesamt steigenden Verbrauch Probleme, diese Spitzenlast abzudecken.
Einschalten, wenn genug Strom da ist
Deshalb sollten in den nächsten Jahren die Stromnetze so umgerüstet werden, dass sie selbstständig Elektrogeräte einschalten, wenn gerade genug Strom dafür vorhanden sei, so Anzengruber.

"Schon jetzt gibt es in vielen Haushalten Verbraucher, die mit einer Schaltuhr eingestellt sind - einen Wäschetrockner etwa, der vom Zeitpunkt x bis zum Zeitpunkt y arbeitet", sagte der Verbund-Chef.

"Und es ist ja völlig egal, ob der Wäschetrockner nun fünf Minuten oder eine Stunde später losgeht oder vielleicht länger trocknet und Ähnliches."
"Modell bei Wasserboilern bewährt"
Mit einer besseren Steuerungstechnik könnten ohne Qualitätsverlust Stromspitzen abgeglichen werden, betonte Anzengruber.

"Genau genommen gab es das schon einmal: Die Wasserboiler wurden dereinst vom E-Werk geschaltet. Da war nur festgelegt, dass zum Beispiel um 6.00 Uhr früh warmes Wasser verfügbar sein muss. Aber ob der Boiler nun von 22.00 bis 2.00 Uhr gearbeitet hat oder von 0.00 bis 4.00 Uhr, das war dem E-Werk überlassen."
"Effizienzsteigerung dringend nötig"
Mit intelligenten Netzen könnten die vorhandenen Kraftwerkskapazitäten besser ausgenutzt werden. Diese Effizienzsteigerung sei auch nötig, denn der Anteil des Stroms am Gesamtenergieverbrauch werde zunehmen, betonte Anzengruber.

Das sieht auch Volker Plass, Bundesvorsitzender der Grünen Wirtschaft, so: "Die fossilen Energieträger werden wesentlich rascher und intensiver einbrechen als erwartet, und es ist zu befürchten, dass die Mobilisierung der erneuerbaren Energieträger schwieriger sein wird als bisher vermutet."
Umrüstung kostet Verbund 1,5 Milliarden Euro
Der Verbund plant deshalb einen Ausbau der Wasserkraft und der Windkraftanlagen. Auch der Umbau des Stromnetzes wird ein Mammutunterfangen.

So kostet die Installation eines einzigen "intelligenten" Stromzählers den Verbund rund 1.900 Euro. Für alle österreichischen Haushalte ergibt das Gesamtkosten von 1,5 Milliarden Euro.
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