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MI | 11.04.2012
Lawinen-Analyse aus dem Hubschrauber nach tödlichem Unfall. Bild: Michael Staudinger, Lawinenwarnzentrale Salzburg
CHRONIK
Analyse der Todeslawine von Werfenweng
Zwei Snowboarder sind Donnerstag bei Werfenweng (Pongau) in einer sehr steilen, hohen Rinne tödlich verunglückt. Der Experte Michael Staudinger hat diese mit dem Team des Polizeihubschraubers am Freitag für eine Analyse beflogen.
Lawinen-Analyse aus dem Hubschrauber nach tödlichem Unfall. Bild: Michael Staudinger, Lawinenwarnzentrale Salzburg
Anriss des Schneebrettes im Steilgelände (Kante links oben).
Lawinendaten:

Art: Trockenes Schneebrett

Auslösemechanismus: Neuschnee über Reifschicht

Anbruchhöhe: 1.680 Meter Seehöhe
Anbruchmächtigkeit: 40 cm
Breite Anbruch: 15 Meter
Länge der Lawine: 1.200 Meter (!)

Verschüttungspunkt: 1.380 Meter Seehöhe
Endpunkt der Lawine: 1.080 Meter Seehöhe
Mehr Snowboarder über Kegel gefahren?
Die Spuren im Einfahrtsbereich knapp unterhalb der Bischlinghöhe bei Werfenweng zeigten beim Erkundungsflug am Freitag mehrere Abfahrten in dieser Rinne, wo am Donnerstagnachmittag das Schneebrett abgegangen war.

Michael Staudinger schreibt in seiner Analyse für den amtlichen Lawinenwarndienst Salzburg:

"Möglicherweise sind zu einem späteren Zeitpunkt weitere Snowboarder über den Lawinenkegel abgefahren - offenbar ohne zu wissen oder zu ahnen, dass zuvor hier die zwei Oberösterreicher verschüttet worden waren und noch in den Schneemassen lagen."

Staudinger studierte am Freitag auch die Schneeprofile der Region und rät Wintersportlern für die kommenden Tage zu besonderer Vorsicht. Steilgelände jenseits von 30 Grad und abseits gesicherter Pisten sollte wegen des gefährlichen Schneedeckenaufbaues unbedingt gemieden werden.
Verlauf des Schneebrettes in der sehr hohen Rinne unter der Bischlinghöhe ...
Lawinen-Analyse aus dem Hubschrauber nach tödlichem Unfall. Bild: Michael Staudinger, Lawinenwarnzentrale Salzburg
Lawinen-Analyse aus dem Hubschrauber nach tödlichem Unfall. Bild: Michael Staudinger, Lawinenwarnzentrale Salzburg
Bilder: Michael Staudinger
Ursache für dieses Schneebrett war eine zugedeckte Reifschicht aus sehr kalten Tagen und Nächten der letzten Wochen.

Auf dieser wurde der vom Wind stark verfrachtete und eingewehte Neuschnee von den getöteten Boardern ausgelöst.
Lawinen-Analyse aus dem Hubschrauber nach tödlichem Unfall. Grafik: Michael Staudinger, Lawinenwarnzentrale Salzburg
Wind und Neuschnee = Schneebrett im Lee
Der Abgang des Schneebrettes nach Westnordwest ist einerseits von der Rinne topografisch vorgegeben. Andererseits deutet das Geschehen auch auf massive Einwehungen hin - durch Winde aus östlichen Richtungen über die Bischlinghöhe her.

Schneebretter sind vom Wind angelagerter Schnee, der sich im Lee (Windschatten) von Graten, Gipfel, Kuppen und Geländekanten ansammelt. Hang- und Windrichtungen sind in der Lawinenkunde sehr einflussreiche Größen; je nach Wetterlagen und Strömungen in der Atmosphäre.

Gerald Lehner, salzburg.ORF.at
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