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MI | 11.04.2012
Zahnimplantat (Bild: Wikipedia)
GESUNDHEIT
Viele Zahnimplantate nicht gerechtfertigt?
Zu schnell und zu oft werden Zahnpatienten Implantate gesetzt. Das kritisiert der Präsident der Zahnärztekammer Salzburg. Gegen einen Arzt wurde sogar eine Klage wegen unsachgemäßer Setzung von Implantaten eingebracht.
Nicht immer die beste Lösung
Auch wenn es keine genauen Zahlen für Salzburg und Österreich gibt, ist es unbestritten dass es einen Zahnimplantat-Boom gibt, sagt Erwin Senoner, Präsident der Salzburger Zahnärztekammer.

So gut Implantate im Prinzip seien, so wenig würden sie in bestimmten Fällen die beste Lösung sein, weil Entzündungsgefahr besteht. Es sei unbestritten, dass teilweise überimplantiert und zudem teilweise nicht sachgemäß vorgegangen werde, so Senoner.
Patienten sollen sich im Vorfeld objektiv informieren.
"Meisten Klagen betreffen Implantate"
"Implantate sind natürlich kein Wundermittel für alles und sie werden leider Gottes heute zu oft für alles eingesetzt und dann gibt es diese Probleme. Und es ist so, dass die meisten Klagen in der Schlichtungsstelle Implantate betreffen", sagt Erwin Senoner und appelliert an die Patienten:

"Das heißt, hier ist eine genaue Vorinformation des Patienten wichtig. Und es ist auch wichtig, dass sich ein Patient nicht sosehr von Werbung oder Medien beeinflussen lässt, sondern sich objektiv von seinem Hauszahnarzt oder von unserer Schlichtungsstelle beraten lässt. Es ist sicher immer sinnvoll sich eine zweite Meinung zu holen."
Schwarze Schafe hinterlassen ihre Spuren
Auch bei Manuela Kollnberger, Anwältin für Medizinrecht in Salzburg, betreffen die meisten Fälle Zahnimplantate. Es gehe dabei um einige wenige schwarze Schafe, betont sie.

"Ich habe jetzt im Moment eine Sache zu bearbeiten, da geht es eben um Implantate. Da wurden vier Implantate gesetzt. Alle Implantate wurden wieder verloren oder mussten wieder entfernt werden, weil sie nicht richtig gesetzt wurden. Der Arzt ordiniert eigentlich in München, ist dann nach Österreich bzw. nach Salzburg gekommen. Und er ist Ordinations-Hopper. Er begibt sich von Ordination zu Ordination und hinterlässt immer sehr schlimme Spuren", sagt Kollnberger.
Anzeige wegen Körperverletzung
Gegen den betreffenden Zahnarzt hat Manuela Kollnberger jetzt eine zivilrechtliche Klage beim Landesgericht Salzburg eingebracht - Streitwert 27.000 Euro.

Die Rechtsanwältin hofft, dass sich noch weitere Geschädigte melden. Das würde die Aussicht auf Erfolg bei einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung deutlich erhöhen.

Die Zahnärztekammer kann gegen schwarze Schafe in den eigenen Reihen nur vorgehen - zum Beispiel mit Berufsverbot - wenn die Patienten klagen.
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