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MI | 11.04.2012
Schulbücher (Bild: ORF)
BILDUNG
Kritik: Schulbücher zu einseitig
Geschichtsbücher in der Schule präsentieren sich als absolute Wahrheit und regen Schüler nicht zur kritischen Auseinandersetzung mit Gegenwart und Vergangenheit an. Das kritisiert ein Didaktiker nach einer Studie.
Vergleich Österreich - Polen - Deutschland
In seiner Studie hat der Salzburger Geschichtsdidaktiker und Vizerektor der Pädagogischen Hochschule Christoph Kühberger zwischen 2006 und 2009 polnische, deutsche und österreichische Schulbücher verglichen. Er hat vor allem die Kapitel über die Geschichte und die Gegenwart der EU in den Büchern für elf- bis 14-Jährige unter die Lupe genommen.

Und dabei zeigte sich dem Didaktiker relativ klar: Die Schulgeschichtsbücher tun so, als wären sie objektiv. Tatsächlich aber spiegeln sie die Meinung der Autoren wider - und diese deckt sich zumeist mit der vorherrschenden Meinung eines Landes. Andere Sichtweisen oder Kritik werden ausgeblendet.
In Polen in Deutschland positiv, in Österreich negativ.
Urteil über EU sehr unterschiedlich
Während zum Beispiel in Polen die EU positiv wegkommt, ist in Österreich das Gegenteil der Fall, sagt Kühberger: "In unserer Studie fällt auf, dass die österreichischen Schulbücher - vor allem im Vergleich zu den deutschen und polnischen - die Darstellung der EU in einen negativeren Kontext setzen."

Die Färbung passiere sehr subtil: "So werden mehr Kontra- als Pro-Argumente geliefert. Oder es wird eine Argumentation abgebrochen und man setzt nur noch eine Karikatur hin. Und Sie wissen ja: Karikaturen spitzen ja die politische Meinung in die eine oder andere Richtung zu."
"Keine kritischen Schüler produzieren"
Besonders ärgert Kühberger, dass den Schülern die Texte wie absolute Wahrheiten präsentiert werden: "Das wichtigste Ergebnis für Österreich aus fachdidaktischer Perspektive ist, dass derzeit die Schulbücher - und es ist im Kapitel zum Nationalsozialismus Ähnliches zu beobachten - keinen kritischen Schüler produzieren. Sondern die Schulbücher stützen eigentlich ein Reproduzieren der Inhalte, die im Buch stehen, was an sich schon problematisch ist. Denn Schüler sollten ja lernen, sich eine kritische Meinung zu bilden."

Geschichte sollte von einem Lernfach zu einem kritischen Denkfach werden, fordert der Geschichtsdidaktiker und mehrere Perspektiven auf ein- und dasselbe Thema präsentieren.

Außerdem sollten statt trockener Zahlen mehr lebendige Alltagsgeschichten zur EU in Schulbüchern geben.
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