Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
TOURISMUS
ÖAV in Geldnot: Kosten für Wege explodieren
Dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) geht das Geld zur Erhaltung der heimischen Wanderwege langsam aus. Viele Wege seien durch Muren, Stein- und Eisschlag sowie Wetterkapriolen schwer beschädigt. Die Politik sei gefordert.
Abstieg im Sturm von der Schönfeldspitze im Steinernen Meer.
25.000 Kilometer Wege zu betreuen
Mehr als einmal um die halbe Welt reichen die Wanderwege des Alpenvereins, über 25.000 Kilometer insgesamt.

Sie seien die "Nabelschnüre der österreichischen Bergwelt" und müssten gepflegt werden, doch die Kosten dafür stiegen drastisch, sagte Christian Wadsack, der Präsident des Alpenvereins.

"Die Gletscher gehen zurück, dadurch kommt es zu Steinschlag und Hangrutschungen, die die Wege unpassierbar machen, und unsere Wegbetreuer sind gefordert, mit sehr hohem Aufwand die Wege in sehr schwierigem Gelände zu sanieren", so Wadsack.
Wanderwegbeschilderung (Bild: Landespressebüro Salzburg)
Kürsinger Hütte, Obersulzbachtal, Großvenediger. Bild: Gerald Lehner
Kürsinger Hütte
Hütten und Wegeerhaltung nicht zu finanzieren
Der Alpenverein nimmt nun die Länder in die Pflicht. Sie sollen ihre jährlichen Zuschüsse verdoppeln, sagte Wegereferent Peter Kapellari.
"Wir sehen es so, dass die Länder als große Nutznießer des Sommertourismus in der Pflicht sind. Die Erhaltung unserer Hütten und Wege ist äußerst schwierig und derzeit nicht zu finanzieren", so Kapellari.

Die Beiträge der Länder sind derzeit sehr unterschiedlich. Salzburg zahlt beispielsweise 99.000 Euro, Kärnten 220.000 Euro pro Jahr.
Klettersteig bei Leogang
Angst vor Haftungsklagen nimmt zu
Der Alpenverein trägt für seine Wege aber auch die Haftung und wird in letzter Zeit immer öfter nach Bergunfällen geklagt. Die Opfer wollen Schadenersatz.

Um sich abzusichern, müsste der Alpenverein sämtliche Wege genauer prüfen lassen - aber das sei unmöglich, sagte Vizepräsident Andreas Ermacora. "Wenn diese Tendenz weiter fortschreitet, dann ist es so, dass es für den Alpenverein unleistbar wird."

Viele Wegewarte überlegen derzeit wegen der zunehmenden Klagen, ihren ehrenamtlichen Job aufzugeben. Gehe das so weiter, müssten Wege gesperrt werden, so die Funktionäre des Alpenvereins.
Gipfelkreuz (Bild: ORF/G.H.) Umstrittene Urteile nach Unfällen
Berichtet wird in Fachkreisen zum Beispiel von einem Schulausflug, bei dem ein Kind auf ein Gipfelkreuz geklettert sei. Das Kreuz sei daraufhin umgestürzt und habe eine andere Person verletzt.

Beim folgenden Prozess sei dann ein anderer alpiner Verein, der das Gipfelkreuz aufgestellt hatte, wegen dieses Unfalles verurteilt worden.

Laut Experten des ÖAV sind solche Urteile eine untragbare Situation für ehrenamtliche Tätigkeiten im Sinn des Gemeinwohls, wie sie auch von alpinen Vereinen geleistet werden.
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