Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Fernsehsender - mobiles Internet (Bild: ORF)
Telekommunikation
Gerangel um freie Frequenzen
Die Digitalisierung des Fernsehens führt zu Konflikten zwischen Mobilfunkbetreibern und Rundfunkunternehmen - wegen der Frequenzen, die bei der Digitalisierung der über Antenne ausgestrahlten TV-Programme frei wurden.
Bedarfsanalyse bis Anfang 2010
Noch sitzen die beiden Kontrahenten friedlich an einem Tisch, wie beim 10. Telekom-Forum der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, das seit gestern in Salzburg abgehalten wird.

Anders als etwas in Deutschland beginnt in Österreich erst die Diskussion, wer das UHF-Band im Frequenzbereich von 790 bis 862 MHz in Zukunft nutzen darf. Das zuständige Bundeskanzleramt hat bis Anfang nächsten Jahres eine Bedarfsanalyse in Aussicht gestellt - als Grundlage für die politische Entscheidung. Fernsehfrequenzen sind nämlich im Besitz der Republik.

Aber schon jetzt stecken die Interessenten, Mobilfunkbetreiber und Rundfunkunternehmer - darunter der ORF -, ihre Claims ab.
Zukunft des terrestrischen Fernsehens
Das Fernsehen sieht vor allem seine Entwicklungschancen bei der Verbreitung über Antenne bedroht.

Michael Wagenhofer, Geschäftsführer der ORS, die für Sender zuständige Tochterfirma des ORF, fürchtet nicht nur um die Erweiterung des terrestrischen Programmangbebots um DVB-T2, also HDTV über Antenne, oder um den Ausbau von DVB-H, also Handy-TV, wenn die Mobilfunker die freien Frequenzen zugesprochen bekommen.

ORS-Chef Wagenhofer und Kabelnetzbetreiber weisen auch darauf hin, dass Mobilfunk auf Fernsehfrequenzen beim Kabelfernsehen massive Störungen verursachen könne. Weiters würden Funkmikrophone, wie sie schon bei fast allen Veranstaltungen verwendet werden, arg beeinträchtigt, weil auch sie in diesem Frequenzbereich senden.

Schließlich merkt Michael Wagenhofer an: "Fernsehprogramme können nur auf diesen Kanälen gesendet werden. Die Mobilfunker können auf andere Frequenzen ausweichen."
Diese Frequenzen sparen Geld
Aber es hat schon einen Grund, warum die Mobilfunker gerade auf diese, bisher vom Fernsehen genutzten Frequenzen so scharf sind. Das Frequenzband zwischen 790 und 862 MHz, um das es hier geht, ist höchst attraktiv für die Mobilfunkbetreiber.

Ein Sender auf dieser Frequenz versorgt Handybesitzer in einem Umkreis von 20 Kilometern; ein Sender auf der Frequenz 2,1 GHz etwa schafft gerade einmal ein Einzugsgebiet von drei Kilometern im Durchmesser. Weniger Baisistationen bedeuten geringere Kosten für die Mobilfunkunternehmen.

Daher argumentieren sie, mit Moblfunk auf diesen Kanälen könnte der noch unterversorgte ländliche Raum mit Breitband-Internet aufgerüstet werden.
Rund- und Mobilfunker teilen sich Frequenzen
Harald Himmer, Vorstand von Alcatel-Lucent Austria AG, bricht eine Lanze dafür, dass die Mobilfunker die Frenquenzen zugesprochen bekommen: "Auf dem Frequenzband sind acht zusätzliche HDTV-Kanäle möglich oder aber 99 Prozent des ländlichen Raums können mit Breitband-Internet abgedeckt werden."

Dieses Argument lassen die Rundfunkbetreiber übrigens nicht gelten.

Einig waren sich alle Betroffenen beim Telekom-Forum in Salzburg darüber, dass die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, nicht übereilt getroffen werden dürfe.

Natürlich ist auch noch ein Kompromiss möglich: Rund- und Mobilfunker teilen sich die frei werdenden Frequenzen und die digitale Dividende, wie sie auch genannt wird, kommt allen Interessenten zu Gute. Entscheiden muss die Bundesregierung.

Gerhard Rettenegger, salzburg.ORF.at
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