Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Medikamente, Bild: Fotolia/Daniel Fuhr
MEDIZIN
Kritik an Ritalin für hyperaktive Kinder
Die oft jahrelange Verschreibung von Ritalin an hyperaktive Kinder sei eine "Gesundheitskatastrophe". Diese Kritik wurde bei der Psychotherapietagung in Salzburg laut. Gleichzeitig sprechen sich andere Psychiater für das Medikament aus.
Extrem zappeligen Kindern verschrieben
Kinder mit ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts-Syndrom, sind extrem zappelig, stören ständig und können sich auf nichts konzentrieren. Um diese Symptome zu beseitigen, wird oft jahrelang Ritalin verschrieben.

Die Nebenwirkungen seien bisher aber sträflich unter den Tisch gekehrt worden, kritisiert der Tübinger medizinische Psychologe Niels Birbaumer bei der Psychotherapietagung in Salzburg.
Verwendung von Ritalin "Gesundheitskatastrophe".
"Massive Nebenwirkungen"
"Ich halte das für eine der großen Gesundheitskatastrophen in der Medizin in den Industriestaaten, dass wir unseren heranwachsenden Kindern, die Aufmerksamkeitsstörungen haben oder hyperaktiv sind, eine Substanz tonnenweise über Jahre verfüttern, die massive Nebeneffekte hat, die das Wachstum beeinträchtigt", betont Birbaumer.

"Diese Substanzen - Ritalin vor allem - führen langfristig zu keiner Verbesserung. Meine Meinung dazu ist - und das ist nicht nur meine, sondern auch die nationale Gesundheitsbehörde der USA hat sich diese Meinung nach 20 Jahren zu eigen gemacht -, dass diese Substanzen außerordentlich negative Nebenwirkungen haben. Das wurde bisher von der Pharmaindustrie unter Verschluss gehalten."

Birbaumer empfiehlt als Alternative zu Ritalin Verhaltenstherapien oder die Neurofeedback -Methode. Damit lernen Kinder sich selbst kontrollieren.
Psychiater spricht sich für Ritalin aus
In der Praxis scheiterten diese Methoden aber oft am fehlenden Durchhaltevermögen der Betroffenen, betont der Salzburger Psychiater Christoph Stuppäck von der Christian Doppler Klinik. Er bricht eine Lanze für Ritalin.

"Da haben wir's bei vielen Kindern gesehen, wie unglaublich der Unterschied war vor Ritalin mit allem Möglichen, was schon probiert worden ist, und dann waren das völlig andere Kinder in einem überaus positiven Sinn", sagt Stuppäck, "Ein paar nehme das jetzt schon seit fünf, sechs Jahren und haben keine Nebenwirkungen und sind einfach völlig anders geworden, sind in ihrer Klassengemeinschaft akzeptiert und geschätzt. Vorher sind sie jedem auf die Nerven gegangen - von den Lehrern angefangen bis zu ihren Mitschülern und Freunden."
Nur verminderter Appetit als Nebenwirkung?
Laut Stuppäck beschränkten sich die Nebenwirkungen auf verminderten Appetit durch Ritalin. Nicht behandelte hyperaktive Kinder werden später als Erwachsene überdruchschnittlich oft süchtig, gibt der Psychiater zu bedenken.
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