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MI | 11.04.2012
Festredner Daniel Kehlmann (Bild: ORF)
KULTUR
Festspiele: Kehlmann-Rede sorgt für Aufsehen
Samstagmittag hat Bundespräsident Heinz Fischer die Salzburger Festspiele offiziell eröffnet. Neben den traditionellen Ansprachen von Politikern hielt der Schriftsteller Daniel Kehlmann heuer die Festrede - die für Aufregung sorgte.
Kehlmann ging auf Schaffen des Vaters ein
Kehlmann ging in seiner Rede vom Leben und Schaffen seines Vaters, des Regisseurs Michael Kehlmann, aus. Daniel Kehlmann nannte ihn einen "Diener der Autoren". Diese Haltung sei in den letzten Jahrzehnten unmodern geworden, der Vater somit nicht mehr beschäftigt worden.

Kehlmann geißelte in seiner Rede das Regietheater, es sei zur letzten Schrumpfform linker Ideologie degeneriert.
"Regisseure beanspruchen Starstatus"
"Wo Regisseure die Stars sind, dort halten sich die Autoren zurück. Wo sich die Autoren zurückhalten, beanspruchen die Regisseure wiederum den Status eines Stars, dem kein Autor, lebend oder tot, dreinzureden habe. 'Eigentlich sind wir die Urheber', rufen sie. Und in der Tat muss man es sich wohl recht angenehm vorstellen, ein genialischer Schöpfer zu sein, ohne dafür eigens Stücke verfassen zu müssen", sagte Kehlmann in seiner Rede.

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"Regietheater ist zur letzten Schrumpfform linker Ideologie degeneriert."
Kehlmann: Theater ist paradox
Für Kehlmann ist das Theater in Gefahr, leer und langweilig zu werden. "Denn wer ein Reihenhaus bewohnt, christlich-konservative Parteien wählt, seine Kinder auf Privatschulen schickt und sich dennoch als aufgeschlossener Bohemien ohne Vorurteil fühlen möchte, was bleibt dem anderes als das Theater? In einer Welt, in der niemand mehr Marx liest und kontroverse Diskussionen sich eigentlich nur noch um Sport drehen, ist das Regietheater zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie degeneriert."

Theater sei paradox, schloss Kehlmann, und das werde es auch sein, wenn man sich an hoch subventionierte Absurditäten nur noch mit amüsiertem Lächeln erinnere.
Bundespräsident Heinz Fischer mit Gattin Margit, Bundeskanzler Werner Faymann, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Vizekanzler Josef Pröll bei der Eröffnung (Bild: ORF)
Bundespräsident würdigt gute Beziehungen
Der Bundespräsident würdigte in seiner Eröffnungsrede anlässlich des Staatsbesuchs von Portugals Präsident Anibal Antonio Cavaco Silva die hervorragenden Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Fischer erinnerte in diesem Zusammenhang an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der sich heuer zum 70. Mal jährt und der ein unglaubliches Ausmaß an Gewalt, Leid und Verbrechen mit Millionen von Opfern mit sich brachte. Es sei unsere Pflicht, "diese Tragödie im Gedächtnis zu behalten und Lehren daraus zu ziehen", betonte der Bundespräsident.
"Paradies gibt's nicht zum Nulltarif"
Mit der ökonomischen Krise und der Macht befasste sich Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) in ihrer Begrüßungsrede. "Wir leiden derzeit unter einer schlimmen Attacke an ökonomischem Pessimismus", zitierte Burgstaller den britischen Ökonomen John Maynard Keynes.

Aber einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts mache es sich - und uns, den Urenkeln seiner Epoche - nicht zu einfach. "Das Paradies gibt's schließlich nicht zum Nulltarif", so die Landeshauptfrau. Wir alle hätten es in der Hand, dass unsere Welt besser, schöner und gerechter denn je aus den vielfachen Prüfungen der Gegenwart hervorgehe.
Schmied spannte kritschen Bogen von der politischen zur kulturellen Macht.
Schmied stellt Motto in den Mittelpunkt
Das Generalmotto der diesjährigen Salzburger Festspiele, "Das Spiel der Mächtigen", stellte Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) in den Mittelpunkt ihrer Rede. Schmied ging vor allem auf die "Macht" ein und spannte dabei einen kritischen Bogen von der politischen Macht zur Macht der Kultur.

Oft sei es die Politik, der man Macht zumesse und vielfach auch den Missbrauch unterstelle. Aufgabe der Kunst sei es, an der Macht zu rütteln. "Sie ist gefordert, den gesellschaftlichen Wandel mahnend zu begleiten und Werthaltungen und Motive zu hinterfragen", sagte die Kulturministerin.
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