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MI | 11.04.2012
Ferkel (Bild: ORF)
LANDWIRTSCHAFT
Kritik an Ferkel-Kastration ohne Betäubung
Kritik an einer gängigen Praxis auf Salzburger Biobauernhöfen kommt jetzt von einem Bio-Landwirt. Denn auch auf Biohöfen werden Ferkel ohne Betäubung kastriert - das sei mit dem Bio-Gedanken nicht vereinbar, findet der Kritiker.
"Pflicht, Tiere schmerzfrei zu halten"
Nach dem Tierschutzgesetz ist es erlaubt, dass männliche Ferkel in der ersten Woche ohne Betäubung kastriert werden - üblicherweise durch den Landwirt.

Dass das auch Biobauern so handhaben, stößt Biolandwirt Christian Müller sauer auf: "Wenn man von Bio spricht, redet man von artgerechter Tierhaltung. Man redet von 'Bio ist das Leben' und man redet von Natur. Und wenn wir uns entscheiden, Tiere zu halten, dann haben wir als Biobauern die verdammte Pflicht, diese schmerzfrei zu halten und zu schlachten."

Christian Müller wirft seinen Berufskollegen Profitgier vor. Denn eine fachgerechte Kastration mit Betäubung durch den Tierarzt koste lediglich zehn Euro.
Ferkel-Kastration (Bild: ORF)
Bio-Austria-Obmann verteidigt gängige Praxis.
Wo ist Schmerz größer?
Dennoch rufen auch Biobauern nur selten den Tierarzt zur Ferkel-Kastration.

Andreas Schwaighofer, Obmann von Bio Austria, verteidigt das: "Bei der Kastration mit Betäubung gibt es zwei Methoden, die zurzeit angewendet werden: Zum einen Betäubung mit Injektion, zum anderen Betäubung mit Gas. Beides ist für das Ferkel natürlich ein entsprechender Stress, ein entsprechender Schmerz und langfristig für den Bio-Landbau nicht geeignet."

Ob die Kastration mit oder ohne Betäubung mehr Schmerz für das Ferkel bedeutet, kann Schwaighofer aber nicht klären: "Wir können das Ferkel nicht fragen. Aber es ist sicher alles zusammen keine geeignete Maßnahme."
Veterinärdirektor: Betäubung 'Mittel der Wahl'
Bei der Schweinezuch führt an der Kastration männlicher Ferkel grundsätzlich kein Weg vorbei, betont Veterinärdirektor Josef Schöchl: "Wenn sie geschlechtsreif werden, sind dann männliche Geschlechtshormone in der Muskulatur. Und beim Erhitzen des Fleisches verbreitet das den typischen Eber-Geruch und -Geschmack, der für die meisten ekelerregend ist. Man kann das Fleisch eigentlich nicht genießen."

Für Bio-Austria-Obmann Schwaighofer "kann der Weg langfristig nur in Richtung eigener Zuchtlinien gehen, wo die männlichen Tiere diesen Ebergeschmack erst zu einem späteren Zeitpunkt entwickeln."

Vorerst gibt es für den Veterinärdirektor aber nur eine Lösung: "Dass natürlich die Betäubung das Mittel der Wahl ist, steht außer Zweifel."
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