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MI | 11.04.2012
Schlecker (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
"Arbeitsbedingungen bei Schlecker skandalös"
Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) hat am 27. April eine Mitarbeiterbefragung bei der Drogeriekette Schlecker durchgeführt. Das Ergebnis sei erschreckend und gebe Anlass zur Sorge, sagt Gerald Forcher von der GPA Salzburg.
Kein Mitspracherecht bei Arbeitszeiten
Insgesamt wurden bei der Befragung in Salzburg 372 Fragebögen von den Mitarbeitern ausgefüllt, österreichweit hat die GPA 1.600 Schlecker-Angestellte befragt.

Jeder dritte Befragte gab an, dass er regelmäßig mehr Stunden arbeiten müsse als vereinbart und der Arbeitsvertrag vom Dienstgeber trotzdem niedrig gehalten werde.

"Die Beschäftigten bei Schlecker haben keine Möglichkeit, ihre Arbeitszeit selbst mitzugestalten. Fast die Hälfte der Befragten haben angegeben, dass die Lage der Arbeitszeit einseitig angeordnet wird", so Forcher.
"Der Druck auf die Erfüllung von Verkaufszielen dürfte sogar so weit gehen, dass Mitarbeiter Bestellungen tätigen, die sie eigentlich nicht brauchen."
Enormer Druck auf Angestellte
"Von Vereinbarung und Planbarkeit keine Spur, obwohl dies rechtlich eindeutig nötig ist. Besonders Frauen leiden unter diesem Problem, da die Betreuungsaufgaben von Kindern schwierig zu organisieren sind", so Gewerkschafter Forcher.

Weiters hätten viele Befragte angegeben, dass sie auch abgelaufene Ware zum vollen Kaufpreis verkaufen müssten, damit sich Schlecker die Abschreibung erspare, so Forcher.

"Der Druck auf die Erfüllung von Verkaufszielen dürfte sogar so weit gehen, dass Mitarbeiter und ihre Familien Bestellungen tätigen, die sie eigentlich nicht brauchen, nur um Ermahnungen und in der Folge angedrohten Kündigungen zu entgehen. Vertrauen gegenüber den eigenen Mitarbeitern wird bei Schlecker keinesfalls großgeschrieben", sagt der Gewerkschafter.
Mitarbeiter fühlen sich nicht sicher
Nachvollziehbar sei aufgrund der geringen Personalsituation auch das Ergebnis zur Frage "Fühlen Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz sicher?" Die Hälfte habe diese Frage mit einen klaren Nein beantwortet, heißt es im Bericht der GPA.

"Die fast ausschließlich weiblichen Beschäftigten stehen offensichtlich fast immer alleine im Geschäft und sind für Kundenberatung, Kassa, Nach- und Einschlichten der Waren und auch für das Saubermachen zuständig. Sie machen sich Sorgen, überfallen zu werden, und können oft auch kaum auf die Toilette gehen. Notwendige dienstliche Telefonate müssen am Privathandy geführt werden, weil das Diensttelefon teilweise gesperrt ist, und vieles mehr an Missständen wurde uns berichtet."
Die GPA hat die sozialpartnerschaftliche Schlichtungsstelle eingeschaltet.
"Fordern Einhaltung der Arbeitszeitgesetze"
"Wir werden mit voller Kraft die Beschäftigten bei Schlecker unterstützen und alles daransetzen, damit wir dort zu besseren Arbeitsbedingungen kommen. Wir fordern von Schlecker die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze und kollektivvertraglichen Regelungen", sagt Forcher.

Die GPA hat in den vergangenen Tagen die sozialpartnerschaftliche Schlichtungsstelle angerufen. Die Gewerkschaft erwartet sich, dass die Sozialpartner dann gemeinsam das Unternehmen Schlecker auffordern, alle rechtlichen Bestimmungen sofort umzusetzen und die auftretenden Probleme in einem konstruktiven Dialog zu lösen.
Reaktion der Schlecker-Geschäftsleitung
Die Firma Schlecker weist die Vorwürfe zurück. Die Umfrage betreffe nicht einmal neun Prozent der in Österreich bei Schlecker Beschäftigten und sei somit weder repräsentativ noch seriös.

Im übrigen seien die Vorwürfe haltlos, Schlecker halte alle Arbeitsgesetze und kollektivvertraglichen Regelungen ein, so das Management. Die Gewerkschaft kündigt indes an, sie werde in dieser Angelegenheit rechtlich gegen Schlecker vorgehen.
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