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MI | 11.04.2012
Debatte um Zweitwohnsitze in Saalbach. Bild: ORF
TOURISMUS
Saalbach: Kritik an weiteren Zweitwohnungen
"Wir werden keine neuen Zweitwohnsitze mehr zulassen", hat man in Saalbach-Hinterglemm geschworen. Dieser Vorsatz der Gemeindepolitik scheint durch ein neues Projekt schon wieder fraglich zu sein. Es gibt eine heftige Debatte.
3.200 Zweitwohnsitze schon bisher
Saalbach-Hinterglemm gilt bei Fachleuten als "Hauptstadt der Zweitwohnsitze" in Salzburg. Das nächste Bauprojekt erregt nun wieder das Interesse von Befürwortern und Kritikern:
Wohnungen in hervorragender Lage mitten im Ortszentrum.

Der Bürgermeister verweist dabei auf einen neuen, bisher nie angewendeten rechtlichen Kunstgriff. Und dieser soll bei diesem Projekt möglichen Ge- oder Missbrauch für Zweitwohnsitze verhindern.
Zweitwohnsitze (Bild: ORF)
35 Wohnungen als weitere Zweitwohnsitze?
Es geht um ein Grundstück in bester Lage an der Saalbacher Fußgängerzone und noch dazu sehr nahe an der Skipiste. Der Gastronom Wolfgang Wolfgang Haider hat das frühere Hotel abreißen lassen. Nun will ein holländischer Tourismuskonzern hier 35 Wohnungen bauen.

Den Weg machte die Saalbacher ÖVP mit ihrer Mehrheit in der Gemeindestube frei. Man beteuert aber, Zweitwohnungen werde bei diesem Projekt eine grundbücherlich abgesicherte Vereinbarung verhindern.
Debatte um Zweitwohnsitze in Saalbach. Bild: ORF
Schnell: "Alle wissen, was passiert"
Der Saalbacher Bürgermeister Peter Mitterer (ÖVP) sieht ausreichend Sicherungen gegen Missbrauch: "Wir haben mit 3.200 Zweitwohnsitzen einen Überhang zu 2.947 Einheimischen. Die Alarmglocken läuten bereits bei uns, aber dieses Bauvorhaben sollte gerade das verhindern aufgrund der vertraglichen Möglichkeiten."

Die Saalbacher Freiheitlichen können - ebenso wie die SPÖ - an die Macht des Papiers nicht glauben, allen voran FPÖ-Obmann Karl Schnell, praktischer Arzt in Saalbach: "Hinter vorgehaltener Hand weiß jeder, der etwas von diesem Geschäft versteht, dass es so sicher nicht spielen wird. Das werden Zweitwohnungen über diese Schlupflöcher, die man dann nützt. Wo die Gemeinde quasi Verträge macht, aber in Wirklichkeit weiß jeder, was hier passiert."
Debatte um Zweitwohnsitze in Saalbach. Bild: ORF
Alle vor Gesetz gleich - "auch EU-Bürger"
Bürgermeister Mitterer sieht das anders: "Garantieren kann man nichts, und besonders nicht für Sachen, die mit dem Raumordnungsgesetz in Zusammenhang stehen. Eine generelle Verhinderung wollen wir nicht, weil vor dem Gesetz noch immerhin jeder Bürger gleich ist - auch der EU-Bürger."

FP-Chef Schnell entgegnet, dass sich dann die Gemeinde bemühen müsste, solche Betriebe aufzufangen: "Und nicht jedem, der mit Geldscheinen wachelt, unsere Heimat zu verkaufen, ob er jetzt Russe, Engländer oder Holländer ist."
1.300 Euro pro Quadratmeter
Der Bürgermeister sagt, die Gemeinde habe das sehr zentral gelegene Grundstück für öffentliche Zwecke nicht kaufen können, weil der Preis 1.300 Euro betrage. Gemeint ist hier der Preis pro Quadratmeter - wohlgemerkt.

Verkäufer Wolfgang Haider ist übrigens ein früherer Spitzenfunktionär der FPÖ, mit dem sich Schnell zerkracht hat. Ihm gehe es aber nur um die Sache, beteuert Schnell.
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