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MI | 11.04.2012
Die Papierfabrik Hallein (Bild: ORF)
PAPIERFABRIK HALLEIN
Manager von M-real drohen der Politik
Nach Bekanntwerden der Schließung der Halleiner Papierfabrik hat das Management mitgeteilt, der Betrieb sei nicht mehr rentabel. Gedroht wird der Politik, dass mögliche Klagen auch die Jobs der Zelluloseproduktion gefährden würden.
"Überproduktion, Preisverfall, Verluste"
Ende April 2009 solle Schluss ein, sagte Jörg Habring, Vorstandschef bei M-real in Hallein: 50 Mio. Euro Verlust seien einfach zu viel in drei Jahren. Es sei keine Besserung in Sicht, dazu kämen der allgemeine Preisverfall bei Papier und die Überproduktion in Europa, wo jährlich zwei Millionen Tonnen erzeugt würden.

Die bestehenden Kaufangebote seien alle abzulehnen gewesen, sagten die Manager vor der Presse am Mittwochnachmittag. Die Konzepte seien allesamt nicht in Ordnung gewesen, um Preisfragen sei es gar nicht gegangen.
Südafrikaner gegen Produktion in Hallein
Dann ließen die Manager aber durchblicken, dass man nicht eine Papierfabrik an jemanden verkaufen würde, der in Zukunft dann M-real oder Sappi Konkurrenz machen könnte.

Dieser südafrikanische Papierkonzern war Mittwoch wieder Gesprächsthema in Hallein: Dessen Manager hätten sich das Halleiner Werk auch angesehen, aber die Südafrikaner wollten das Werk keinesfalls übernehmen, sagte Jarmo Salonen vom finnischen Mutterkonzern. Das Schicksal von 485 Beschäftigen in Hallein scheint damit besiegelt zu sein.
M-real warnt Politik vor Klagen
Habring warnte die Salzburger Landespolitik davor, gegen den Verkauf bzw. die Stilllegung der Papierfabrik rechtlich vorzugehen. Die Politik solle den aktuellen Entschluss akzeptieren und nicht bekämpfen.

Sonst könne es sein, dass auch die verbleibende Zellstoffproduktion in Hallein zugesperrt werde. Künftige Investoren könnten durch weitere Streitereien abgeschreckt werden.
Zellstoffproduktion: "Nicht länger zuwarten"
Nach der Bekanntgabe der Schließung der Papierproduktion geht es für Harbring vorrangig darum, rasch eine tragfähige Lösung für die Absicherung der Zellstofffabrik zu finden.

"Je länger wir zuwarten, desto mehr Sorge habe ich", sagte Habring und appellierte an alle Beteiligten, bei der Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung an einem Strang zu ziehen.

"Die Produktion von Zellstoff, die Energieerzeugung und die zentrale Technik sind von den Maßnahmen nicht betroffen", so Habring. Das Unternehmen könne in Zukunft 200 bis 250 Mitarbeiter beschäftigen. Eine der beiden in Hallein stehenden Papiermaschinen soll auf Zellstoffherstellung umgerüstet werden.
"Verlieren Interesse von Investoren"
Bei der Investorensuche bestehe Zeitdruck, weil die Bedingungen für Zellstoff auf dem Markt nicht besser würden. So drängten asiatische und amerikanische Anbieter auf den europäischen Markt, weil die Nachfrage auf den eigenen Märkten zurückgegangen sei. Es gebe "signifikante Überkapazitäten".

Die Lagerbestände an Zellstoff seien seit Mitte vergangenen Jahres gestiegen, die Preise verfallen. 2008 seien die Erlöse für Zellstoff um 20 Prozent gesunken seien, so Habring.

Das Umfeld für den Verkauf sei derzeit schwierig, umso wichtiger wäre es, rasch eine Lösung zu finden, meinte der Manager. Auch die mögliche Beschwerde des Landes gegen den Vertrag zwischen dem finnischen Mutterkonzern und Sappi hält Habring für kontraproduktiv: "Wir verlieren Zeit und das Interesse von Investoren."
Politiker geben "Kampf" nicht auf
Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) und ihr Stellvertreter Wilfried Haslauer (ÖVP) besuchten die Halleiner Fabrik am Mittwochnachmittag. Burgstaller sagte, die Landesregierung werde sich weiter bemühen, die vollständige Zahl der Arbeitsplätze zu retten und eventuell doch noch einen Investor erfolgreich ins Spiel zu bringen. Sie kündigte rechtliche Schritte an.

Ähnlich reagiert Wirtschaftsreferent und LHStv. Haslauer: "Wir haben jetzt eine Schlacht verloren, der der Krieg ist noch lange nicht verloren. Es geht nun um die kartellrechtliche Anfechtung des ganzen Verkaufes von M-real an Sappi, und leicht machen wir es diesen Managern sicher nicht - auf EU-Ebene."
Bürgermeister: "Schwarzer Tag für Hallein"
Tief betroffen zeigte sich der Halleiner Bürgermeister Christian Stöckl, der von einem der schwärzesten Tage für seine Stadt spricht: "120 Jahre wurde hier gut gewirtschaftet, nun ist es eine Katastrophe für die ganze Region, wenn fast 500 Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren."
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