Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Europaflagge (Bild: DPA)
EU-SKEPSIS DER ÖSTERREICHER
EU-Abgeordnete: "Kampagnen nutzlos"
Gegen die EU-Skepsis der Österreicher teure Werbekampagnen zu machen sei der falsche Weg. Das kritisierten die EU-Parlamentarier Hannes Swoboda (SPÖ) und Johannes Voggenhuber (Grüne) am Donnerstag bei einer EU-Diskussion an der Universität Salzburg.
"Medien schieben alles Schlechte auf die EU"
Solange alles Schlechte von manchen Medien und Politikern auf die EU geschoben wird, werde sich an der Ablehnung der EU hierzulande nichts ändern, war man sich einig.
"Drei Boulevard-Blätter als Polit-Mächte"
Nichts als eigene Neurosen und die Angst vor Machtverlust seien der Grund dafür, dass einige Eliten in Österreich so gewaltig gegen die EU wettern, sagte der EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber bei der Diskussion:

"Ein englischer Kollege hat mir einmal gesagt: Weißt Du, das mit der Kronenzeitung verstehe ich gut. Es gibt drei große Boulevard-Zeitungen: Die britische 'Sun', die deutsche 'Bild-Zeitung' und die 'Krone' in Österreich.

Alle drei sind gegen Europa und alle aus dem selben Grund: Im jeweiligen Land, wo sie erscheinen, sind sie gewaltige politische Mächte. Sie können jede Regierung stürzen und vielleicht sogar bestimmen, wer an die Regierung kommt. In Europa wären sie Käseblätter, die man aus hygienischen Gründen nicht einmal auf der Toilette auslegen würde."
Beispiel Verordnung über Gurkenkrümmung
Enorm viel Schuld an der EU Ablehnung der Österreicher hätten aber auch jene österreichischen Politiker, die in Brüssel Gesetze munter mit beschließen und daheim so tun würden, als wären sie nicht dabei gewesen, war bei der Diskussion zu hören.

Claus Reitan von der Zeitschrift „Die Furche" nennt als Beispiel dafür die Verordnung über die Gurkenkrümmung, die oft als lächerliches Paradeexempel für die Regulierungswut der EU genannt wird. Österreichische Politiker hätten da mitgestimmt, kritisierte Reitan:

"Immer wieder kommten die Klagen über diese Gurkenkrümmungs-Verordnung. In Wahrheit ist das ganze aber einfach. Die gekrümmten Gurken liegen übereinander in flachen Kartons auf zwei Auflagepunkten, worauf hin die untere Gurke unter dem Druck der oberen in der Regel kaputt im Regal landet. Deswegen wurde versucht, möglichst gerade Gurken zu ziehen, woraufhin ein paar Leute gesagt haben: Das sind schön langsam keine Gurken mehr."
Nur jeder Zehnte fühlt sich gut informiert
Laut einer aktuellen Umfrage fühlt sich nur jeder 10. Österreicher einiger Maßen gut über die EU informiert. Der österreichische EU-Parlamentarier Hannes Swoboda hält dennoch nichts von PR-Kampagnen für die EU. Gefragt sei vielmehr , dass Medien schwierige Themen auf einfache Formeln bringen, betonte Swoboda:

"Das ist ja gerade der Unsinn, dass wir jetzt mehr positive Meldungen über Europa verlangen. Diese ganzen Aktionen halte ich persönlich für absolut fehl am Platz.

Vielmehr geht es um die politische Auseinandersetzung in einzelnen Fragen - zum Beispiel die Frage der Finanzkrise und der unterschiedlichen Auffassungen darüber. Da hätte ich mir von den Medien erwartet, darüber zu berichten, dass die einen gewisse Regulierungen wollen und die anderen nicht."
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