Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Schülerin mit Kopftuch (Bild: ORF)
BILDUNG
Kopftuch im Turnunterricht: ÖVP empört
Ein Erlass, der das Tragen von Kopftüchern im Turnunterricht erlaubt, empört die ÖVP. Für sie ist es ein "Schritt ins Mittelalter". Er setze nur eine Vorgabe von Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) um, betont der Landesschulrat.
Anton Santner (Bild: ORF) Santner: 'Kopftuch Symbol der Unterdrückung'
Muslimische Schülerinnen dürfen auch beim Turnenunterricht das Kopftuch tragen. Das ist eine der Aussagen im Erlass des Landesschulrats vom 9. Jänner. Für ÖVP-Landesgeschäftsführer Anton Santner ist das ein "Schritt der Schulpolitik zurück ins Mittelalter. Auch der EU-Gerichtshof hat festgestellt, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist und nichts mit Religion zu tun hat."

Der SPÖ-nahe Landesschulrats-Präsident Herbert Gimpl weist die Kritik zurück: Seine Hausjuristen seien zu einer anderen Einschätzung gekommen als der EU-Gerichtshof.
Turnunterricht in Schule (Bild: ORF)
Herbert Gimpl (Bild: SPÖ)
Im Jahr 2004 herausgegeben.
Gimpl beruft sich auf Ministeriumsvorgabe
Außerdem solle sich Santner vor seiner Kritik erst einmal mit den Fakten befassen, betont Gimpl: Die Schulbehörde habe mit dem Erlass nur eine Vorgabe umgesetzt, die im Juli 2004 aus dem damals noch ÖVP-geführten Unterrichtsministerium gekommen sei.

"Hier wird dezidiert gesagt, dass das Tragen von Kopftüchern von Schülerinnen mit islamischem Glaubensbekenntnis zulässig ist und dass es keinen außerkirchlichen Stellen möglich ist, hier eine Einschränkung vorzunehmen", betont der Landesschulratspräsident, "Und eine außerkirchliche Stelle ist eben auch die Schule. Und dieses Schreiben ist auch schon allen Schulen damals zugegangen."
Kopftuch 'in gefährlichen Situationen herunter'
Beim Erlass gehe es außerdem nicht um eine generelle Erlaubnis für das Tragen des Kopftuches beim Turnen, ergänzt Gimpl.

So sorge er für den Fall vor, dass ein Mädchen zum Beispiel bei einer Übung auf dem Reck durch das Tragen eines Kopftuches hängen bleiben und sich dadurch verletzen könne: "Der Lehrer hat eine Grundlage, dass er sagt: Entweder du machst diese Fertigkeit nicht mit am Gerät oder du gibst für diese Situation das Kopftuch herunter, weil ich Gefahr sehe. Und im Sinne des Schutzes des Mädchens, der jungen Frau ist das Kopftuch dann herunterzunehmen."
Sollen Pluralistische Gesellschaft "zur Kenntnis nehmen"
ÖVP-Vorwürfe zurückgewiesen
Den Vorwurf der ÖVP, es handle sich um einen "Rückschritt ins Mittelalter", nimmt Gimpl gelassen: "Andere sollen auch zur Kenntnis nehmen, dass wir uns mit einer pluralistischen Gesellschaft sehr wohl auseinandersetzen und dass wir verschiedenste Glaubensrichtungen in der Bildungsbehörde des Landesschulrates thematisieren."
Ganz Österreich
Salzburg News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News