Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Markus Danner (ganz rechts) mit Arbeitsgruppe für die Kirche St. Leonhard, Tamsweg. Bild: Erzdiözese Salzburg
INNERGEBIRG
"Langfristiger Priestermangel droht"
Künftig größte Probleme für die Seelsorge in Bergregionen sieht Markus Danner, Dechant und Pfarrer von Tamsweg. Früher kamen besonders viele Priester aus dem Bezirk Lungau. Das hat sich längst geändert.
Danner ganz rechts;

mit Landeskonservator Ronald Gobiet, Mesnerin Marianne Resch und dem Kaufmann Florian Frühstückl, Koordinator der Spendenaktion für die Sanierung der Kirche St. Leonhard bei Tamsweg.
Nur ein Nachwuchsmann aus dem Lungau
Theologie-Studenten und Priester-Anwärter seien im Lungau und anderen Bergregionen der Ostalpen inzwischen noch weniger anzutreffen als anderswo, berichtet Dechant Danner. Das Amt ausüben dürfen in der katholischen Kirche nur Männer, die ein Theologie-Studium abgeschlossen haben. Danner sagt, dass nur ein junger Mann aus dem Lungau derzeit das Priesterseminar besuche; ein Kandidat aus der Gemeinde Mariapfarr:

"Weiters kenne ich fünf Frauen aus unserer Region, die Theologie studieren."
Jugend nicht interessiert
Frauen kommen, geht es nach aktuellen Vorgaben aus Rom, aber für das Priesteramt absolut nicht in Frage. Damit sei klar, dass die rund acht Geistlichen für rund 20.000 Menschen im Lungau, nur weniger werden können. Der Priestermangel werde sich weiter deutlich verschärfen, sagt Danner, denn das Amt sei für die meisten jungen Männer absolut kein Thema:

"Einige greifen sich an den Kopf, wenn ich sie darauf anspreche. Die Lebensform von Priestern ist für heutige Jugendliche etwas sehr Fernes. Das kann sich niemand vorstellen."
Pfarrkirche von Tamsweg mit Kirche St. Leonhard (hinten). Bild: tamsweg.at, Clemens M. Hutter
Tamsweger Pfarrkirche und die stark sanierungsbedürftige Wallfahrtskirche St. Leonhard. Bild: Clemens M. Hutter
"Zölibat verhindert Einsatz der Besten"
Er habe große Sorge, dass die geltende Zölibatsregelung in Zukunft etwas Entscheidendes verhindere: "Die besten Leute, die wir brauchen, werden damit keine Priester. Für mich sind verheiratete Priester durchaus gut denkbar; ebenso wie Frauen in diesem Amt. Die Akzeptanz würde wachsen, wenn eine bessere Seelsorge mit guten Leuten möglich wäre. Es soll nicht die oder jene drankommen müssen sondern die Besten."

Danner ist überzeugt, dass es wie bisher nicht mehr lange weitergehen könne: "Es gibt Szenarien, wonach es in zehn Jahren nur noch vier Priester im Lungau geben dürfte. Da wird es dann sehr eng. Vor lauter Organisationsarbeit könnte dann sehr wenig Zeit für die Menschen und die Seelsorge selbst bleiben."
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