Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Das Limoges-Kreuz (Bild: ORF)
PINZGAU
Nach Kruzifix-Fund weitere Raubkunst gesucht
Nach dem Auftauchen eines 800 Jahre alten Kruzifixes in einem Sperrmüll-Container in Zell am See wird jetzt intensiver nach weiterer Nazi-Raubkunst gesucht. Im Pinzgau gab es nämlich ein Kunstdepot von Hermann Göring.
Nazis brachten Raubgut nach Fischhorn
Das Kreuz, das vergangene Woche der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war nur ein Stück aus einer umfangreichen Sammlung, die von den Nazis in Polen geraubt und im Schloss Fischhorn bei Bruck an der Glocknerstraße gelagert war.

Im Bergbaumuseum von Leogang, wo das mittelalterliche Kruzifix zurzeit aufbewahrt wird, läutet seit der Präsentation ständig das Telefon. Kustos Hermann Mayrhofer bekam in den vergangenen Tagen viele Hinweise auf weitere Kunstsschätze - bisher aber ohne heiße Spur.
Londoner Historiker ist Erbe des Kruzifixes
Adam Zamoyski (Bild: ORF)In London wohnt der Historiker Adam Zamoyski. Er ist der Erbe des geraubten Schatzes und fand das Kruzifix in einer Liste seiner Tante unter der Bezeichnung "Großes Kreuz mit Email Limoges 12. Jahrhundert".
"Vermuten noch viele Stücke im Raum Zell"
Das Stück werde auf 400.000 Euro geschätzt, sagt Zamoyski: "Es gab Hunderte von kleinen Kunstgegenständen, die man in die Tasche stecken konnte, wir sind überzeugt, dass es viele von ihnen noch in der Gegend um Zell am See und Schloss Fischhorn und sogar in Wien geben muss."

Der Erbe des geraubten Schatzes hofft, dass aus Pinzgauer Haushalten weitere Raubkunst zum Vorschein kommt.
Schloss Fischhorn (Bild: ORF) Schloss diente Nazi-Größen als Rückzug
Als die Amerikaner am 4. Mai 1945 in der Stadt Salzburg einmarschierten, hatten sich die Nazi-Größen auf Schloss Fischhorn zurückgezogen.

Dort wurde Hermann Göring verhaftet. Seine zusammengeraubte Kunstsammlung blieb seitdem verschollen, sagt der ehemalige Arzt Peter Brücke:

"In den Kriegswirren, wo die Deutschen schon abgezogen, die Amerikaner aber noch nicht da waren, ist auf Fischhorn wahnsinnig viel mitgenommen worden und verschwunden. Das war sozusagen vogelfrei."
Kruzifix nicht einziges Stück in Privathand
Das wertvolle Kruzifix, das aus einem Haus in Zell am See im Jahre 2004 in einen Sperrmüll-Container gelangte, muss also nicht das einzige Stück in Privathand sein.
Erbe Adam Zamoyski mit dem Bild einer Taube aus dem Kunstschatz (Bild: ORF)
Fotos von weiteren verschwundenen Stücken
In seiner Londoner Wohnung hat der Erbe Fotos aus der geraubten Sammlung der Fürstin Izabella von Czatoryski. Vieles war - wie das Kruzifix - ins Schloss Fischhorn gebracht worden und seitdem verschwunden.

Die Fotos zeigen beispielsweise eine Taube, einen Schrein in Blau und Rot und einen kostbare Bischofsstab. Hunderte Gegenstände sind dokumentiert.
"Danke der wundervollen ehrlichen Finderin"
Die ehrliche Finderin Lydia Gruber aus Zell am See bekommt von Zamoyski ein ausdrückliches Dankeschön: "Ich danke der wundervollen Frau, die es fand und dem Museum brachte. Ein großes Stück europäische Kunst wurde gerettet."

Das Kruzifix soll später einmal in Polen in ein Museum kommen.
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