Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Einzelner in Menschenmenge (Bild: dpa)
PHÄNOMEN OTAKU
Erste Salzburger in virtuelle Welt abgetaucht
Über eine Million Japaner haben sich bereits völlig zurückgezogen und sind in virtuelle Welten abgetaucht. Erste Fälle solcher "Otakus" gibt es nun auch in Salzburg, berichtet der Salzburger Medienwissenschafter Michael Manfé.
Flucht vor der Wirklichkeit
Otakus sind meist junge Leute, die sich aus dem Leben zurückziehen, total in virtuelle Welten abtauchen und ihre eigenen vier Wände nicht mehr verlassen.

Michael Manfé, Lehrbeauftragter der Fachhochschule Salzburg hat das Phänomen erforscht und als erster in Europa ein wissenschaftliches Buch darüber geschrieben.
Pinzgauerin lebt nur noch im Internet
Eine junge Pinzgauerin lebt seit über einem Jahr als Otaku in ihrer eigenen virtuellen Welt. Die Realität spielt für sie keine Rolle mehr, erzählt Manfé.

Die 15-Jährige war Lehrling und hat sich völlig zurückgezogen. Sie hält sich nur noch im Internet auf, spielt und pflegt soziale Kontakte nur noch im virtuellen Raum, so Manfé.
Hundenarr animiert Lieblinge im Computer
Auch ein Salzburger Hundenarr ist inzwischen zum Otaku geworden und ähnlich weggetaucht.

Der Mann habe sich mit realen Tieren beschäftigt, seine Tierleidenschaft in den virtuellen Raum verlagert und dort Tiere fotorealistisch animiert, berichtet Michael Manfé.
Mann beschäftigt sich nur mit Schlümpfen
Auch der Fall einer Wiener Wohngemeinschaft von drei Otaku-Studenten klingt für Außenstehende höchst verwunderlich.

"In Wien ist mir eine WG bekannt, wo drei Menschen ein Jahr lang nichts anderes mehr gemacht haben als ausschließlich ein Online-Spiel zu spielen und in Deutschland gibt es jemanden, der sich ausschließlich mit Schlümpfen beschäftigt", so Manfé.
Arbeit als Spieletester oder Comiczeichner
Otaku wird im Japanischen als distanziert-höfliche Anrede verwendet und bedeutet wörtlich "Ihr Haus".

Vor gut 20 Jahren wurden in Japan die ersten Fälle registriert. Inzwischen sind sie zum Massenphänomen, teilweise sogar zum Wirtschaftsfaktor geworden.

"Otakus sind in Japan für die Spielebranche sehr wichtige Spieletester oder zeichnen selbst Comics", sagt Manfé.
Viele Otakus ohne Arbeit gestrandet
Nicht alle Otakus können derart aus ihrer obsessiven Medienleidenschaft Kapital schlagen.

"Die japanische Kultur hat es verstärkt ermöglicht, dass dieses Phänomen überhaupt entstanden ist. Durch die technische Weiterentwicklung greift das auf den Globus über."
Otaku-Phänomen greift nach Europa über
In Japan wird bereits eine spezielle Otaku-Therapie angeboten.

In Österreich gibt es derzeit nur Einzelphänomene, die sind allerdings im Zunehmen begriffen.
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