Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Univ. Prof. Dr. Friedrich Hausjell. Bild: Universität Wien
Friedrich Hausjell
ZEITGESCHICHTE & MEDIEN
Kritik an Marcic-Preis: "NS-Verstrickungen"
Der jährlich vom Land Salzburg vergebene Rene-Marcic-Preis für Journalismus solle umbenannt werden. Das schlägt Universitätsprofessor Friedrich Hausjell (Wien) vor und verweist auf die braune Vergangenheit des Namenspatrons. Die Landespolitik reagiert unterschiedlich.
"Pressemann des Ustascha-Regimes"
Der Kommunikationswissenschaftler ortet beim Namenspatron des Salzburger Preises braune Verstrickungen. Marcic habe sein journalistisches Handwerk in der Nazizeit gelernt. Weiters war er als Pressereferent im Dienst des mit Hitler verbündeten Ustascha-Regimes in Kroatien.

Für den Wiener Universitätsprofessor Hausjell ist Marcic ein - wörtlich - "Gaskammerphilosoph". Das berichtet die Austria Presse Agentur (APA). Der Preis für zeitgemäße Medienarbeit solle deshalb umbenannt werden, schlägt der Wissenschafter vor.

Am Dienstag wird der diesjährige Marcic-Preis verliehen. Aktueller Preisträger ist Thomas Wizany, angesehener Karikaturist der "Salzburger Nachrichten" (SN). Die Kritik am Marcic-Preis richte sich nicht gegen die Preisträger, sondern gegen den Namensgeber, betont Hausjell.
"Antisemitisches in Weihnachtsbeilage"
Der Publizistikpreis sollte demnach neu gestaltet, in Friederike-und-Stefan-Zweig-Preis für Europa und Frieden umbenannt und rund um die Salzburger Festspiele verliehen werden.

Hausjell zeigte sich gegenüber der APA verwundert darüber, dass Marcic in Salzburg noch immer als "honorige Persönlichkeit" gelte. Marcic habe noch 1949 geglaubt, den Mord an den Juden in journalistischen Beiträgen rechtfertigen zu müssen.

In Richtung des Ehemannes der Wiener Schriftstellerin Hilde Spiel, Peter de Mendelssohn, habe Marcic in der Weihnachtsbeilage der "Salzburger Nachrichten" zum Beispiel einen Text geschrieben, wonach von Juden "selber die Welt heraufbeschworen" worden sei, "von der sie dann verfolgt wurden."
"Symbolische Wiedergutmachung"
Marcic habe sein journalistisches Handwerk in der Nazi-Zeit gelernt, sagt Medienwissenschafter Hausjell: "Er wirkte als Presse- und Kulturreferent des faschistischen kroatischen Ustascha-Regimes im Generalkonsulat in Wien."

1946 wechselte er als Gerichtsreporter nach Salzburg, wo er es bis zum Chefredakteur brachte. Die Umbenennung in Friederike-und-Stefan-Zweig-Preis wäre im Übrigen auch eine "symbolische Wiedergutmachung", mussten die Zweigs doch vor Ständestaat und Nationalsozialisten fliehen, so Hausjell.
Burgstaller wartet Gutachten ab
Salzburgs LH Gabi Burgstaller (SPÖ) zeigt sich in einer ersten Reaktion abwartend zu den Vorschlägen Hausjells. Auf Anfrage der APA teilte ihr Büro am Montag mit, dass sie die Angelegenheit von Experten fächerübergreifend prüfen lassen werde.
Haslauer ablehnend
Seitens der Salzburger ÖVP kann man einer Umbenennung des Marcic-Preises unterdessen nichts abgewinnen. Marcic sei nach dem Krieg sehr maßgeblich am Aufbau der Medienlandschaft in Österreich beteiligt gewesen, seine Leistungen als Journalist seien unumstritten, heißt es dazu im Büro des ÖVP-Parteichefs und LH-Stv. Wilfried Haslauer.

Es handle sich um einen der begehrtesten Journalistenpreise österreichweit, der auch international ein hohes Ansehen genieße. Zudem gebe es eine neue Jury, welche darauf achte, dass der Preis lebendig gehalten werde.
Grüne für Umbenennung
Die Grünen plädieren für eine Umbenennung. Cyriak Schwaighofer, grüner Landessprecher, bietet der SPÖ an, im Landtag gemeinsam dafür zu stimmen: "Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende ziehen noch immer braune Spuren durch unsere Gesellschaft. Es sollte im Jahr 2007 möglich sein, diese Geister zu verbannen."

Dazu gehöre auch, dass "hoch dotierte Publizistikpreise nicht nach Journalisten benannten sein sollen, die mit der NS-Ideologie geliebäugelt haben", sagt Schwaighofer.
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