Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Pulverl und Spritzen, Doping. Bild: ORF
ÖSTERREICHER IM ZWIELICHT
Doping-Verdacht: "Verbrecher am Werk"
Ein beherrschendes Thema bei der Rad-WM ist Doping. Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass der österreichische Nachwuchsfahrer Marco Oreggia positiv getestet wurde. Experten vermuten "organisiertes Verbrechen".
Symbolfoto
Erythropoietin bei Oreggia
Die Heim-WM in Salzburg wird von einem erheblichen Dopingverdacht im österreichischen U23-Team überschattet, berichtet die Austria Presse Agentur (APA).

Der 20-jährige Steirer Marco Oreggia ist am vergangenen Donnerstag im Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf in der A-Probe positiv auf das verbotene Hormon Erythropoietin (EPO) getestet worden.

Das gab der Österreichische Radsport-Verband (ÖRV) am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Salzburg bekannt.
Eibegger und Ebner abgetaucht
Zwei weitere U23-Fahrer - der Steirer Markus Eibegger und der Niederösterreicher Christian Ebner - hatten sich, wie ausführlich berichtet, nach Ankündigung der Tests in der Vorwoche unerlaubt aus dem Teamcamp entfernt und wurden daraufhin aus dem WM-Kader ausgeschlossen.

Beide hatten die Tests in Graz bzw. der Südstadt nachgeholt. "Die Einnahme von EPO kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden", erklärte ÖRV-Generalsekretär Rudolf Massak, der die Testergebnisse laut eigenen Angaben erst Donnerstag in der Früh erfahren hatte.
48 Stunden im Urin
Auf Grund der zu spät abgegebenen Proben (Eibegger 24 Stunden, Ebner 48 Stunden verspätet) ist ein weiteres, aufwändiges Analyse-Verfahren notwendig, um Klarheit zu schaffen.

Ergebnisse sind laut Massak erst zu Beginn der kommenden Woche zu erwarten. Synthetisches EPO ist laut Angaben des Leiters des Anti-Doping-Labors in Seibersdorf, Günther Gmeiner, im Urin maximal 48 Stunden lang zuverlässig nachweisbar.
"Für mich ist es organisiertes Verbrechen"
Wegen des gehäuften Auftretens von teuren Doping-Produkten im österreichischen U23-Team vermutet der ÖRV die Existenz eines Netzwerkes und wird über seinen Anwalt Gernot Schaar Anzeige gegen Unbekannt einbringen.

"Für mich handelt es sich um organisiertes Verbrechen. Diese Geschichte muss strafrechtlich verfolgt werden", betonte ÖRV-Präsident Otto Flum.
"Tatbestand des Betruges möglich"
Gemäß dem im Mai in Österreich in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz sind Sportler nicht strafrechtlich zu verfolgen, der Verband vermutet aber Verstöße gegen das Arznei- oder Suchtmittelgesetz und hält den Tatbestand des Betruges für möglich.

"Es handelt sich nicht nur um einen Fahrer, der zu viel eingenommen hat. Das ist eine professionelle Vorgehensweise, gegen die wir aktiv und mit aller Härte vorgehen müssen", erklärte Flum. "Wir müssen das Umfeld dieser Vorfälle untersuchen, soweit es uns das Gesetz erlaubt."
Verdachtsmomente
Der in der A-Probe positive Oreggia hat nun sieben Tage Zeit, eine Öffnung der B-Probe zu beantragen, ist allerdings gemäß Reglement des Weltverbandes UCI auf Grund der Verdachtsmomente nicht im U23-Straßenrennen der WM in Salzburg startberechtigt.

An Stelle der WM-Nachwuchshoffnung, die zuletzt mit Platz fünf bei der "Trofeo Bianchin" in Italien auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde der Tiroler Georg Hausbacher ins Team nachnominiert.
Vater von Unschuld überzeugt
Oreggia war 2004 nach einem Schlaganfall an einem Blutgerinnsel am Herzen operiert worden. "Er wird daher nicht so dumm sein, verbotene Dinge zu nehmen", meinte Marcos Vater Gianni Oreggia gegenüber der APA- Austria Presse Agentur.

"Er muss ein Medikament für sein Herz nehmen, vielleicht ist das der Grund für das positive Testergebnis." Blutverdickung ist eine der möglichen Folgen von EPO-Doping.
Umfangreiche Tests
Neben dem mutmaßlichen Dopingsünder Oreggia waren vergangenen Donnerstag fünf weitere Fahrer aus dem österreichischen WM-Team vom Österreichischen Anti-Doping-Comite (ÖADC) getestet worden, darunter die Elite-Fahrer Rene Haselbacher und Bernhard Kohl.

Bei beiden wurden ebenso keine verbotenen Substanzen festgestellt wie bei den U23-Fahrern Stefan Denifl, Josef Kugler und Christoph Sokoll.
Kritik an Nachwuchsfahrern
Zwei Tage vor dem U23-Straßenrennen in Salzburg steht dennoch das halbe ursprünglich dafür vorgesehene österreichische WM-Team unter Dopingverdacht.

"Wenn unsere Sportler diese Chance, sich in der Heimat zu präsentieren, zum Anlass für Doping nehmen, hätten wir uns gar nicht um die Ausrichtung der WM bemüht", meinte ÖRV-Finanzreferenz Herbert Kocher, der im WM-Exekutivkomitee den Vorsitz führt.
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