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MI | 11.04.2012
Gerichtsakten. (Bild: ORF)
MUTMASSLICHES "HIRN" IM WEB-SKANDAL
Wird Graf doch noch der Prozess gemacht?
Nachdem dem mutmaßlichen Drahtzieher in der WEB-Affäre, Norman Graf, am Donnerstag nach elf Jahren in einer Traunsteiner Klinik doch noch die Anklage zugestellt werden konnte, wird jetzt mit Spannung erwartet, ob es doch noch zum Prozess kommt.
Anklage am Donnerstag zugestellt
Am Donnerstag wurde Norman Graf, Ex-Staatsanwalt und mutmaßlicher Drahtzieher in der WEB-Bautreuhand-IMMAG Affäre, nach elf Jahren doch noch die Anklage in diesem Fall zugestellt.

Wie aber geht es in diesem Fall weiter und wie konnte dem ehemaligen Staatsanwalt Graf die Anklage mehr als ein Jahrzehnt nicht zugestellt werden?: das sind Fragen die sich viele derzeit stellen.
Häufiger Wohnsitzwechsel als "Schlupfloch"
Wohnsitzwechsel innerhalb Deutschlands, ins Ausland oder Abwesenheit machte der 59 Jahre alte Norman Graf geltend, um die Anklageschirft nicht entgegen nehmen zu müssen.

Jedenfalls sei in diesem elf Jahren vieles schief gelaufen, räumt die Staatsanwaltschaft Salzburg ein. Den Kollegen in Köln, einem der Wohnsitze von Graf, sei es einfach nicht gelungen, die mehrere hundert Seiten umfassende Angeklageschrift zuzustellen.

Im Jahr 1995 fertiggestellt, richtete sich die Anklageschrift im sogenannten WEB 1-Fall gegen insgesamt neun Personen - sechs wurden zu Haftstrafen zwischen sechs und neun Jahren verurteilt. Nur Norman Graf war nicht dabei: er war deutscher Staatsbürger geworden.
Neues Gesetz könnte Auslieferung ermöglichen
Dass Graf trotz Haftbefehls am Krankenbett in Traunstein nicht verhaftet wurde, hat er einem Gesetz zu verdanken, das deutsche Staatsbürger wie ihn vor Auslieferung schützt.

Seit Anfang August gibt es zwar neue deutsche Bestimmungen, die Auslieferungen doch ermöglichen. In diese muss sich die Staatsanwalt Salzburg allerdings erst einlesen.
Vorwurf, 20.000 Anleger geprellt zu haben
Nach der Übergabe der Anklage an den Ex-Staatsanwalt, der mit angeblichen Herzbeschwerden in der Klinik ist, hat Graf nun zwei Wochen Zeit, Einspruch gegen die Vorwürfe zu erheben.

Offen bleibt neben der Frage, ob Graf überhaupt an Österreich ausgeliefert werden kann, auch jene, ob der 59-Jährige überhaupts verhandlungsfähig ist.

Norman Graf wird vorgeworfen, 20.000 Hausanteilschein-Zeichner um damals eine Milliarde Schilling geprellt zu haben.
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