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MI | 11.04.2012
Die eingestürzte Eishalle in Bad Reichenhall (Bild: APA)
EISHALLEN-EINSTURZ BAD REICHENHALL
Gutachten kritisiert "schwere Mängel"
Die Anfang Jänner eingestürzte Eishalle in Bad Reichenhall soll schwere Mängel gehabt haben. Das geht aus zwei Gutachten hervor, die die Staatsanwaltschaft Traunstein jetzt veröffentlicht hat.
"Sechs gravierende Fehler"
Demnach sind insgesamt sechs gravierende Fehler bei Bau und Instandhaltung der Halle passiert.

Gegen acht Personen wird wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Bei dem Eishalleneinsturz sind 15 Menschen ums Leben gekommen, 18 weitere sind verletzt worden.
"Hauptträger doppelt so hoch wie erlaubt"
Seit knapp 35 Jahren war die Reichenhaller Eishalle in Betrieb - sie hätte so allerdings nie gebaut werden dürfen. Gutachter des deutschen TÜV und der technischen Universität München haben schwerste Mängel festgestellt.

So gibt es beispielsweise für die Bauweise der Halle ganz spezielle Vorschriften - vor allem für die Haupttträger. Die waren laut Gutachten mehr als doppelt so hoch, wie erlaubt.

Die Statik der Halle war deutlich schlechter als für derartige Hallen vorgeschrieben. Eine genaue Berechnung der Tragfähigkeit der Halle und der Dach-Statik hat überhaupt nie stattgefunden. Allein deshalb hätte die Halle laut Staatsanwalt gar nicht gebaut werden dürfen.
Ungeeigneter Klebstoff beim Dach
Ein weiterer Fehler laut Gutachten ist, dass das Dach mit Klebstoffen zusammengehalten worden ist, die für Eishallen gar nicht geeignet sind. Die verwendeten Harnstoff-Formaldehyd-Kleber sind nur für absolut trockene Räume zugelassen.

Das Klima in der Reichenhaller Eishalle hat dem Kleber stark zugesetzt, was zum Einsturz beigetragen habe.
"Zu große Schneelast nicht schuld"
Kritisiert wird schließlich auch die Instandhaltung: Überprüfungen der Dachkonstruktion habe es nicht gegeben. Immer wieder sei durch das Dach Wasser in die Halle eingedrungen - die Ursachen dafür seien nie untersucht oder gar beseitigt worden, kritisiert die Staatsanwaltschaft.

Eines ist jedenfalls nicht schuld am Reichenhaller Eishallen-Einsturz: Eine zu große Schneelast, die ja immer wieder als Grund genannt worden war, wird jetzt von den Gutachtern ausgeschlossen.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Für acht Personen könnten die Erkenntnisse unangenehme Folgen haben: gegen sie wird nämlich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Der frühere Reichenhaller Oberbürgermeister Heitmeier soll allerdings nicht unter den Verdächtigen sein.
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