Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Abgestürzter Hubschrauber (Bild: Ferdinand Farthofer)
ABGESTÜRZTER RETTUNGSHUBSCHRAUBER
Pilot: "Habe technisches Gebrechen bemerkt"
Ein technisches Gebrechen könnte Ursache für den Hubschrauber-Absturz beim Anflug auf das Salzburger Unfallkrankenhaus am 1. Mai gewesen sein. Das sagte der Pilot am Dienstag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Unglück.
Selbst schwer verletzt
Einen Monat nach dem Absturz eines Rettungshubschraubers beim Landeanflug auf das Salzburger Unfallkrankenhaus (UKH) spricht der Pilot Martin Nussdorfer von einem technischen Gebrechen, das er beobachtet habe.

Nussdorfer wurde bei dem Absturz schwer verletzt. Er muss am Mittwoch zur Rehabilitation nach Bad Häring. Nussdorfers drei Begleiter kamen bei dem Unfall mit leichten Verletzungen davon.
"Wollte keinesfalls am Gebäude anprallen"
Mit einem Rollstuhl wurde der Hubrschauberpilot am Dienstag zum Hörsaal des UKH gebracht. Die letzten Meter ging Martin Nussdorfer auf Krücken. Dann erinnerte er sich an die dramatischen Augenblicke am 1. Mai:

"Es ist sehr schnell gegangen. Ich habe kurz bemerkt, dass irgend etwas nicht stimmt und in zwei bis fünf Sekunden war das Ganze schon vorbei.

Das wichtigste war für mich in dieser Situation, dass wir auf keinen Fall am Gebäude anprallen, weil das die Überlebenschancen wesentlich verringert hätte. Daher habe ich versucht, den Hubschrauber mit Steuerbewegungen so schnell wie möglich von der Gebäudefassade weg zu bringen und ihn so lange wie möglich fliegend zu Boden zu bringen", schildert Nussdorfer.
"War beim Absturz bei vollem Bewusstsein"
Im Inneren des Rettungshubschraubers habe es keine Panik gegeben und auch nach dem Aufprall auf der Wiese des Kinderspielplatzes habe die Besatzung besonnen reagiert, sagt Nussdorfer:

"Ich war während des gesamten Absturzes bei Bewusstsein. Daher war auch unmittelbar nach dem Absturz noch ein Handeln möglich."
"Probleme mit der Steuerung des Heckrotors"
Der Pilot beschreibt ein technisches Versagen des Fluggerätes vom Typ Eurocopter 135: "Der Landeanflug war ein Standard-Landeanflug auf das UKH Salzburg, den wir schon hundertfach durchgeführt haben - und zwar auch unter widrigeren Bedingungen als am 1. Mai.

Was ich aber bestätigen kann ist, dass ich Probleme mit der Steuerung des Heckrotors fest gestellt habe. Nähreres konnte ich aber nicht feststellen. Für mich stand - wie gesagt - im Vordergrund, den Hubschrauber so gut wie möglich zu Boden zu bringen, um die Crew und den Patienten zu schützen."
"Möchte auf alle Fälle wieder fliegen"
Die ebenfalls abgestürzte Crew hilft dem Piloten, den Crash aufzuarbeiten. Und Martin Nussdorfer will auch wieder ins Cockpit:

"Es geht mir schon wieder sehr gut. Wenn es medizinisch möglich ist, was ich hoffe und wofür die Zeichen auch gut stehen, dann werde ich auf alle Fälle weiter fliegen."
Einvernahme der Beteiligten abgeschlossen
Am Dienstagnachmittag trifft der Pilot im Unfallkrankenhaus jenen Notfallpatienten, der am 1. Mai mit abgestürzt ist. Nussdorfer musste fünf Mal operiert werden, am Mittwoch wird er seine Rehabilitation antreten.

Die Kriminalpolizei konnte inzwischen die Einvernahmen der Beteiligten abschließen. Nussdorfer selbst wurde am Pfingstsamstag zum Absturz befragt.

Der Akt wird spätestens Donnerstag der Staatsanwaltschaft übermittelt, bestätigt der Chef der Kriminalabteilung, Albert Struber.
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