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MI | 11.04.2012
BAWAG (Bild: APA)
SEIT DEM BAWAG-SKANDAL
Atomic-Konkurs medial wieder präsent
Seit Auffliegen des BAWAG-Skandals geistert auch der Atomic-Konkurs wieder durch die Medien. Dazu eine Analyse von Hans Kutil.
Hohe Konkursquote nährt Spekulationen
Die BAWAG hatte 1994 den Konkurs über Atomic beantragt, der nach Abschluss des Verfahrens vor rund einem Monat rechtskräftig aufgehoben wurde.

BAWAG und Gläubiger erzielten eine beachtliche Quote von 93 bzw. 73 Prozent - und genau das nährte nun vor allem politisch motivierte Spekulationen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei.
Menschlich eine Tragödie
Der Konkurs von Atomic hat eine wirtschaftliche Seite, eine rechtliche Seite und eine menschliche Seite.

Menschlich ist es eine Tragödie, dass ein verdienstvoller Mann wie Alois Rohrmoser erleben musste, dass sein Lebenswerk in Trümmer geht. Er ist letztlich nach jahrelangem Kampf auch daran zerbrochen und verbittert gestorben.

Das sensationelle Ergebnis des Konkurs-Verfahrens mit einer Quote von 93 Prozent für die Bank und 73 Prozent für die Gläubiger bestätigt seine Ansicht, dass der Konkurs nicht zwangsläufig notwendig gewesen ist, sondern die finanzielle Sanierung möglich gewesen wäre.
Rohrmoser umging Banken bei Verhandlungen
Warum die BAWAG dennoch so beinhart vorging - und damit sind wir bei den wirtschaftlichen Aspekten - das hat einen Grund: Anfang der 90-er-Jahre wuchsen die finanziellen Schwierigkeiten bei Atomic als Folge von Problemen beim Umstieg auf die Schalenskitechnologie mit einer hohen Rate an Ausschussware sowie Versäumnissen auf dem boomenden Snowboardmarkt.

Alois Rohrmoser sträubte sich dagegen, BAWAG-Leute in Atomic-Spitzenpositionen zu akzeptieren. Zudem verhandelte Rohrmoser hinter dem Rücken der Bank mit einer Sanierer-Gruppe, der er 85 Prozent seiner Anteile abtreten wollte.
Konkursantrag war für BAWAG die Notbremse
Das Verhältnis zwischen Bank und Firmenchef wurde immer schlechter. Mit dem Konkursantrag zog die BAWAG aus ihrer Sicht die Notbremse. Was folgte, war eine Schlammschlacht mit Anzeigen und Gegenanzeigen - womit wir bei der rechtlichen Seite sind.

Alois Rohrmoser behauptete, vorsätzlich geschädigt worden zu sein, Ermittlungen der Kriminalabteilung bestärkten ihn in dieser Meinung. Masserverwalter und Konkursrichter wurden verdächtigt, vom Gericht aber mehrfach reingewaschen.
Harter Konkurs angesichts der hohen Quote
Der Konkurs war hart, vor allem wenn man sieht, dass die Bank 93 Prozent Quote bekommen hat und die übrigen Gläubiger 73 Prozent ihrer offenen Beträge bekommen haben.

Selbst der Masseverwalter räumt ein, dass ihm das noch nie untergekommen ist. Das sei aber auch eine Folge davon, dass der finnische Amer-Konzern bereit war, für seinen Einstieg in die Skiproduktion viel Geld auf den Tisch zu legen.
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