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MI | 21.03 | 17:13
Gasherbrum II, 8.035 Meter, Pakistan. Bild: wikipedia.org, Olaf Rieck, Sächsische Karakorum-Expedition 2001
Erinnerungen an den Gasherbrum II
Eine Ausstellung würdigt nun diesen Wiener, der ein halber Salzburger war: Fritz Moravec führte Jahrzehnte die Hochgebirgsschule der Naturfreunde in Kaprun (Pinzgau). 1956 leitete er die Erstbesteigung des Gasherbrum II (8.035 Meter) in Pakistan.
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Fritz Moravec, 1922 - 1997

1999 hat der Salzburger ORF-Redakteur Gerald Lehner den fotografischen Nachlass des Bergsteigers aufgearbeitet - auf Bitte von dessen Familie in Wien. Alle Schwarzweißbilder aus dem Karakorum sind Originale der Expedition von 1956.
Sonderschau in Wien-Hietzing
Fritz Moravec verstarb am 17. März 1997. Im Bezirksmuseum Wien-Hietzing ist zum 50-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung nun eine Sonderausstellung zu sehen - bis 20. Dezember 2006. Ehrenschutz: Bundespräsident Heinz Fischer.

„Gasherbrum“ bedeutet in der Sprache der Einheimischen des Karakorumgebirges „schöner Berg“. Es gibt mehrere Gipfel nebeneinander mit diesem Namen, wobei der Gasherbrum II mit 8.035 Metern an 13. Stelle der 14 welthöchsten Berge steht. Achttausender in direkter Nachbarschaft: Gasherbrum I (Hidden Peak), Broad Peak und K2.

Erstbesteiger Moravec sagte 1993 in einem Ö1-"Radiokolleg" von Wolfgang Bauer und Gerald Lehner:
"Da stellt man sich vor, höchstes Glück ganz oben und so. Ich war so erschöpft, habe mich einfach nur in den Schnee geworfen. Es war sehr warm an diesem 7. Juli 1956."
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Das Team
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Basislager mit Gasherbrum I (Hidden Peak) und Gasherbrum II (rechts).
Moravec, Willenpart, Larch ganz oben
Die Expedition wurde 1956 von der Österreichischen Himalaya-Gesellschaft ins Karakorumgebirge geschickt, nachdem zwei Jahre zuvor der Wiener Herbert Tichy und der Tiroler Sepp Jöchler mit Pasang Dawa Lama Sherpa (Nepal) den Cho Oyu im nordöstlichen Himalaya erstbestiegen hatten.

Die Mitglieder des Teams für den Gasherbrum II kamen von den sozialdemokratischen Naturfreunden aus Wien und Oberösterreich.

Drei Männern gelang die Erstbesteigung des Gasherbrum II: Expeditionsleiter Fritz Moravec, Sepp Larch und Hans Willenpart. Weitere Teilnehmer: Erich Gattinger als Geologe, der Arzt Georg Weiler sowie Richard Reinagel, Hans Ratay und Heinrich Roiss.
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Moravec, 1956
Schwierige Nachkriegszeit
Expeditionsleiter Moravec aus Wien hatte das Unternehmen mühevoll auf die Beine gestellt. Zehn Jahre nach dem Krieg war Geld für die meisten Menschen noch immer Mangelware.

Das Gesamtbudget für den Gasherbrum II betrug nur 360. 000 Schilling. Im Frühling 1956 startete das österreichische Team mit dem Schiff „Asia“ von Genau. Es geht elf Tage via Suez Kanal nach Karachi in Pakistan.

Im Vergleich zu heute - wo Expeditionen einen schnelle Anreise via Jet absolvieren - war in den 1950er-Jahre die Tour zu einem Achttausender ein Abenteuer, das samt Anreise einige Monate in Anspruch nahm - und nicht wenige bzw. ein paar Wochen wie heute.
Sepp Larch. 1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Archiv Larch
Sepp Larch, 1998
Wiener tanzen lieber
Auf einer längeren Fahrt mit Schiff kann es für Bergsteiger schon zur Gefahr werden, das viele Essen und Faulenzen.

So war hier ursprünglich Gymnastik geplant, um fit zu bleiben. Der Oberösterreicher Sepp Larch ist der einzige, der noch heute lebt:
"Mit der Gymnastik ist das nix geworden, weil die Wiener frühmorgens nicht aufstehen konnten. Die sind viel lieber tanzen gegangen auf dem Schiff.

Wir haben das nicht so gekonnt. Und die Kondition zu verlieren, war bei uns eigentlich kein Problem. Weil durch den langen Anmarsch dann, ist man automatisch wieder fit geworden."
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
DC 3 Dakota von Pakistan International Airways (PIA)
Komplizierte Logistik
Vom pakistanischen Hafen Karachi führte der Weg mit der Eisenbahn über 1.500 km zur Hauptstadt Rawalpindi.

Und in der Hauptstadt wartete das Transportflugzeug, das bis nach Skardu an den Rand des Karakorumgebirges flo - eine Maschine der damals schon existierenden PIA vom legendären amerikanischen Typ DC 3 Dakota.

In Skardu wurden dann die Träger ausgewählt: 168 Mann.
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Rast mit Blick zum Hidden Peak (Gasherbrum 1)
Grandiose Aussicht
Anfang Juni 1956 begannen die Österreicher mit der Erkundung der Aufstiegsroute. Sie führte über den Südwestgrat.

Auf dem Gasherbrum II lagen in diesen Wochen gigantische Schneemassen. So plagten sie sich den ganzen Juni ab. Lager II wurde auf 6.800 Metern errichtet.

Hier war dieser Platz, mit einer tollen Sicht hinüber zum großen Nachbarn, dem Gasherbrum I, auch Hidden Peak genannt, ebenfalls ein Achttausender.
956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Gefährliches Biwak
So planten die Österreicher ein Biwak (roter Punkt) - genau dort, wo Lager 4 hätte stehen sollen, eine gefährliche Übernachtung unter freiem Himmel in 7.500 Metern als Sprungbrett zum Gipfel. Moravec:
"Ich denke, unsere Expedition war die erste überhaupt, die vom Biwaksack aus einen Gipfelaufstieg machte.

Es hat in der Nacht mindestens 30 Grad minus gehabt. So eine bitterkalte Nacht, wo man nicht schlafen kann, nur friert. Die raubt Kraft."
Wimpel-Parade und warmes Wetter
7. Juli 1956, ein prachtvoller Tag. Um 13.30 Uhr erreichen sie den Gipfel: Sepp Larch, Hans Willenpart und Fritz Moravec. Larch fotografiert:
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Der junge Larch - zurück im Basislager, 1956
Wien, Scheibbs und Weyer
"Ich habe meinen Wimpel herausgenommen aus dem Rucksack, den Wimpel der Naturfreunde in Weyer. Der Willenpart hatte die Wimpel von Scheibbs dabei.

Ich habe meinen ganz auf den äußersten Gipfel hinausgesteckt. Eine ganze Stunde waren wir oben."
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Die dunkle Felsnadel (roter Punkt) ist der eigentliche Gipfel des Gasherbrum II (8.035 Meter) - dahinter als höchster Punkt des Karakorum der K2, der noch 600 Meter höher ist. Am linken Bildrand der Broad Peak.
1956: Erstbesteigung Gasherbrum II, Bild: Fritz Moravec, Nachlass
Moravec: Rückkehr vom Gipfel ins Hochlager
Im Hemd auf einem Achttausender
Die Durchfrorenen ließen sich von der Sonne wärmen.

Sie knallte voll auf den Gipfel. Es kommt selten vor, dass man auf einem Achttausender im Hemd sitzen kann, berichtet Sepp Larch:

"Wir brauchten nicht einmal die Handschuhe. Es war ein einmaliges Wetter, besser hätten wir das nicht erwischen können."

Feature: Gerald Lehner, salzburg.ORF.at