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MI | 21.03 | 17:05
Geige (Bild: www.neumayr.cc)
Lungauer Klangholz bei Geigenbauern begehrt
Musiker und Instrumentenbauer schätzen die Qualität der Lungauer Klanghölzer. Die speziellen Fichten gelten heute als gesuchte Raritäten, weil die Föhnstürme 2002 den Bestand arg dezimiert haben.
Schon vor 40 Jahren kamen Geigenbauer von weit her, um im Lungau Material für ihre Instrumente zu kaufen. "Wunderbar zum Arbeiten"
Der Bergwald über Ramingstein (Lungau) ist seit Jahrhunderten als Standort für begehrtes Klangholz berühmt. Namhafte Instrumentenbauer schätzen das besonders füllige Klangbild der Gebirgsfichten, die dort wachsen.

Der Tamsweger Musiker und Instrumentenbauer Hans Neubacher wurde vor 40 Jahren durch alte Holzknechte auf die Eigenschaften des Klangholzes aufmerksam gemacht: "Früher sind die Geigenbauer aus dem Rheinland und aus Südtirol dagewesen und haben hier das Geigenholz geholt", schildert Neubacher.

Er selbst habe sich das abgeschaut und sei bei dem Holz geblieben, weil es "wunderbar zum Arbeiten ist".
Mann mit Harfe (Bild: ORF)
Geeignet für Alphorn, Hackbrett und Harfe
Ob Alphorn, Hackbrett oder Harfe - jedes Instrument von Hans Neubacher enthält alte, abgelagerte Klanghälzer der Haselfichte. Die geeigneten Stämme der Fichte findet man heute oberhalb von 1.000 Metern im sogenannten Geigenwald.

Gerhard Posch von der Forstverwaltung Schwarzenberg erklärt, woran man eine echte Haselfichte erkennt: "Hinter der Rinde verbirgt sich die Wahrheit. Sind da ein bis zwei Zentimeter lange Rillen und ca. ein Millimeter tiefe Kerben in der Längsrichtung des Stammes unterschiedlich verteilt, dann kan man hundertprozentig sagen, das ist eine Haselfichte."

Posch bedauert: "Die Nachfrage wäre groß, aber wir haben nicht genug Potenzial momentan zu liefern." Rund 80 Prozent der Gebirgsfichten seien vom Windwurf 2002 zerstört worden, im Moment gebe es nur noch Einzelexemplare, schildert Posch.
Wald (Bild: ORF)
Der Lungauer Geigenwald
Besonderer Klang dank enger, verzahnter Jahresringe. Zehnmal teurer als beste Fichte
Kenner haben sich rechtzeitig mit alten Klangholz-Vorräten eingedeckt. Ihren schönen Klang verdanken die Lungauer Haselfichten ihren engen, gezahnten Jahresringen. Doch Qualität hat auch ihren Preis: Die Lungauer Gebirgsfichte ist zehnmal teurer als beste Fichtenqualität.

Musiker und Musikbegeisterte hoffen, dass die Tradition der Lungauer Klanghölzer nach den Föhnsturmschäden nicht ausstirbt. Forstwirt Ludwig Wiener zeigt sich zuversichtlich. Es würde zwar schwieriger, aber Instrumentenbauer würden auch künftig immer wieder Haselfichten finden.
Klanghölzer finden ist eine Kunst für sich
Wiener betont aber auch, wie schwierig es ist, eine richtige Haselfichte zu erkennen: "Das Erkennen von so einem Baum ist einfach Grundvoraussetzung. Wir wollen den Leuten zeigen, dass da ein großen Wissen und Können dahinter ist, bevor sich der Künstler hinstellen kann, um mit seinem Instrument die Weltbühnen zu erobern."
Salzburg Heute; 30.4.11