Wien ORF.at Leben in Salzburg
TV-ProgrammTV-ThekRadioÖsterreichWetterSportIPTVNews
MI | 21.03 | 17:07
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
NACH 161 JAHREN
Brauerei Schwarzach sperrt zu
In Schwarzach (Pongau) sperren eine der traditionsreichsten Brauereien der Ostalpen und ihr Braugasthof zu. Die Privatbrauerei wurde 1847 gegründet und ist seit Generationen im Besitz der Familie Seeber, die aus Südtirol stammt.
Reportage aus dem Pongau von Gerald Lehner, salzburg.ORF.at Klein, dennoch internationale Bekanntheit
Bekanntestes Produkt der Schwarzacher Brauerei ist "Tauerngold"-Bier. Außerdem produziert der Betrieb diverse Radlermischungen und Limonaden. Schwarzacher Bier wurde international mehrfach ausgezeichnet.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Eva-Maria Seeber, Chefin der Brauerei Schwarzach. Bild: ORF
Eva-Maria Seeber (75) bald im Ruhestand: Sie hat für ihre Brauerei keinen Nachfolger gefunden.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Brauerei-Chefin Seeber macht den beinharten Wettbewerb mit großen Brauerei-Konzernen mit für das Ende des kleinen Betriebes verantwortlich.

In Spitzenzeiten gab es bei Schwarzacher Bier bis zu 50 Jobs, seit einigen Jahren waren nur noch zehn Leute beschäftigt.
In Nordamerika boomen kleine Brauereien
Mit der Brauerei wird auch der auch architektonisch interessante Braugasthof aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der heutigen Tauernbahn zugesperrt. TIPP: Der Gastbetrieb ist noch bis Ende März 2008 geöffnet. Bis dahin kann hier auch noch das Schwarzacher Bier genossen werden.

Der Gastgarten wurde in Frühjahr und Sommer auch von vielen Sportlern frequentiert, die auf dem Tauernradweg unterwegs sind, von Skitouren oder vom Wandern und Klettern ins Tal kamen. Es gab ein gutes Miteinander mit der Stammtischkultur.

An der Westküste der USA und Kanadas sowie in Alaska gibt es schon seit Jahren ein regelrechten Boom von kleinen Brauereien in Fischer- und Bergdörfern ("Micro Breweries"). In Europa scheint der Trend genau umgekehrt zu sein: "Viele Menschen bei uns sind sich noch immer nicht bewusst, dass der Kauf von Billigware aus großer Industrieproduktion nicht zum Fortbestand regionaler Kreisläufe beiträgt. Das ist auch beim Bier der Fall", sagt eine Pongauer Pädagogin, die mit ihrer Familie gerne in Schwarzach zukehrt.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Rampe zum Verladen der Fässer im Schatten des Heukarecks.
Die Brauerei Schwarzach wurde 1847 von Fürst Friedrich Schwarzenberg, dem späteren Erzbischof von Prag, auf Schloss Schernberg westlich von Schwarzach gegründet.

Die Brauerei sollte ursprünglich der Finanzierung sozialer Projekte dienen.
Chefin gibt nach 54 Jahren auf
Schwarzacher Bier gilt unter Kennern und Gourmets als Geheimtipp, daneben wird es in vielen einfachen Gasthäusern der Bergregion hoch geschätzt. Doch nun mit 75 Jahren sei Schluss, sagt Firmenchefin Eva-Maria Seeber:

"Es ist einfach mein Alter. Das kann man nicht leugnen. Es ist fix. Ich habe 54 Jahre in dem Betrieb gearbeitet. Sie können sich vorstellen, dass mir das alles sehr ans Herz gewachsen ist."
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Weitum beliebtes Stüberl im alten Braugasthof direkt neben der Brauerei.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Für die Pächter Isabella und Peter Steiner heißt es auch bald Abschied zu nehmen vom Braugasthof. Die Wirtsleute sind für ihre gute und preiswerte Küche sehr geschätzt.
Da sich das Schloss Schernberg im 19. Jahrhundert als ungünstiger Standort erwies, wurde die Brauerei an die Schattenseite des Tals verlegt, um den Eiskeller effizienter zu betreiben. Die Brauerei wurde 1937 von der Brauerfamilie Seeber übernommen. Seeber: "Es ist ein Kulturgut"
Ihr sei mit schwerem Herzen sehr bewusst, dass der Salzburger Pongau mit der Schwarzacher Brauerei nun auch ein wertvolles Kulturgut verliere, betont Besitzerin Seeber:

"Jetzt bin ich noch gut beisammen. Dabei weiß ich aber nicht, wie das morgen sein kann. Und jetzt kann ich noch alles regeln. Und Sie können sich vorstellen, dass man da allerhand regeln muss."
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Im Schankbereich des Braugasthofes Schwarzach läuft ORF Radio Salzburg in dezenter Lautstärke.
Brau Union übernimmt Kunden
Alle Gasthöfe und Hotels, die bisher Schwarzacher Bier ausgeschenkt haben, werden künftig von der Brau Union beliefert. Das Ende der Brauerei bedeutet auch das Ende des urigen Braugasthofes in Schwarzach; direkt neben der Brauerei in einem Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Mit der hier üblichen Gastfreundschaft gelingt es nicht immer, den spürbaren Blues über das Ende zu überspielen.
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Großes Lob für Schwarzacher Bier
Die Kündigung des Pachtvertrages haben sie und ihr Mann kurz vor Weihnachten zugeschickt bekommen, sagt Wirtin Isabella Steiner: "Wir stammen aus Altenmarkt. Unser Sohn geht in Schwarzach zur Schule, wir wissen nicht, wie es jetzt weitergeht beruflich." Große Wehmut über das Ende eines hervorragendes Produktes sei auch bei zahlreichen Gästen zu spüren, schildert Wirtin Steiner:

"Es ist einfach ein Traumbier. Ich habe es früher nur vom Hörensagen gekannt. Aber wie wir aus dem Ennspongau nach Schwarzach gekommen sind, waren wir sofort begeistert. Würze, Geschmack und die gesamte Note sind hervorragend. Ich liebe dieses Bier."
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu, Januar 2008. Bild: Gerald Lehner
Brauerei und Braugasthof Schwarzach sperren zu. Bild: Gerald Lehner
Bierhefe selbst gezüchtet
Insgesamt 19 Goldmedaillen bei internationalen Verkostungen hat die Schwarzacher Brauerei eingeheimst, berichtet die Pächterin des Braugasthofes: "Wirklich schade, nach diesen vielen Jahrzehnten, wirklich schade drum."

Zuletzt hat die Jahresproduktion rund 26.000 Hektoliter Bier betragen, davon waren 72 Prozent Fassbier. Vielleicht auch eine kleine Erklärung für die Erfolge des Schwarzacher Biers bei Verkostungen: Sogar die Bierhefe wurde selbst in dieser kleinen Brauerei gezüchtet.