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MI | 21.03 | 17:08
Rosa Kerschbaumer (Bild: ORF)
Salzburg-Itzling
Hauptstraße nach "Engel der Blinden" benannt
In Salzburg-Itzling wird zurzeit die Schillerstraße an die Lokalbahn verlegt. Diese neue Hauptstraße wird nach Rosa Kerschbaumer benannt - die erste Augenärztin in Salzburg, die viele Augenkranke Ende des 19. Jahrhunderts gratis behandelte.
Sabine Veits-Falk mit der Votivtafel (Bild: ORF)
Dank an die "Mutter Gottes und die Pflege der Frau Dr. Kerschbaumer"
Votivtafeln erinnern an Ärztin
Sogar hier in der Wallfahrtskirche Maria Plain stößt Historikerin Sabine Veits-Falk vom Salzburger Stadtarchiv auf die Spuren der Augenärztin Rosa Kerschbaumer.

In einer Votivtafel, datiert mit dem 1. März 1892, dankt eine Bäuerin "der Mutter Gottes, aber auch der Pflege der Frau Dr. Kerschbaumer, dass sie ihr Augenlicht wieder erhalten hat", schildert Veits-Falk. Die Bäuerin hatte bei der Explosion einer Erdbeerflasche schwere Augenverletzungen erlitten.
Augenklinik von Rosa Kerschbaumer neben der Salzburger Christuskirche (Bild: ORF)
Mit kaiserlicher Sondererlaubnis. Eigene Augenklinik in Salzburg betrieben
Es waren Fälle wie dieser, den Rosa Kerschbaumer in ihrer 65-Betten-Augenklinik an der Schwarzstraße direkt neben der Salzburger Christuskirche behandelte. Eine Sondererlaubnis von Kaiser Franz Josef machte Rosa Kerschbaumer 1890 zur selbständig praktizierenden Ärztin und zur Chefin der Klinik, die sie zuvor gemeinsam mit ihrem Mann betrieben hatte. Sie war zwischen 1877 und 1898 in Salzburg tätig.

Bei Rosa Kerschbaumer bekamen auch arme Bürger eine medizinische Augenversorgung, sagt Veits-Falk: "Wir haben Jahresberichte der Augenheilanstalt. Aus denen geht ganz stichfest hervor, dass Rosa Kerschbaumer mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten kostenlos behandelt hat."
In Salzburg überdurchschnittlich viele Blinde
Blindheit durch schwere Augenkrankheiten war im späten 19. Jahrhundert im damaligen Herzogtum Salzburg ein großes Problem.

"Wir kennen Zahlen, dass zum Beispiel die Blindenquote in der Habsburgermonarchie 9,6 von 10.000 betragen hat, in Salzburg aber über 14 von 10.000, was darauf zurückzuführen ist, dass es eine sehr schlechte medizinische Versorgung für Augenkranke bis zur Errichtung dieser privaten Augenheilanstalt in Salzburg gegeben hat", erzählt Veits-Falk.
Das von Rosa und Friedrich Kerschbaumer verfasste Fachbuch (Bild: ORF)
Auch als Forscherin beachtet
In der Klinik an der Schwarzstraße behandelte Rosa Kerschbaumer aber nicht nur Patienten - sie forschte auch, betont die Historikerin: "Sie hat beispielsweise im Jahr 1900 das mutmaßlich erste von einer Frau verfasste wissenschaftliche Werk zur Augenheilkunde herausgebracht, das damals international sehr angesehen war. Dieser Publikation gingen auch intensive wissenschaftliche Forschungen voraus."
Bewegtes Leben: Geboren bei Moskau
Sabine Veits-Falk hat in aller Welt das wildbewegte Leben Rosa Kerschbaumers recherchiert. Geboren wurde die später Ärztin 1851 bei Moskau in einer russischen Landadeligen-Familie. Mit 18 war sie Mutter von drei Kindern.

Von ihrem Mann verlassen studierte die 21-Jährige dann in Zürich Medizin - in der Habsburger-Monarchie waren Frauen noch nicht zum Medizin-Studium zugelassen. Nach dem Studium wirkte sie als Ärztin in Salzburg.
Rosa Kerschbaumer (Bild: ORF)
In Salzburg Russin und Amerikanerin erste Ärztinnen
Internationale Zusammenarbeit war schon in der Klinik an der Schwarzstraße üblich - denn: "Die ersten Ärztinnen in Salzburg war nicht nur die Russin Rosa Kerschbaumer, sondern sie hatte auch eine Assistentin - Selina Bloom, die in Ohio geboren ist und auch in Zürich studiert hat. Die hat sie als Assistenzärztin in ihrer Augenheilanstalt in der Schwarzstraße beschäftigt."

Gemeinsam waren die beiden Ärztinnen auf einem Mediziner-Kongress in Utrecht 1899.