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MI | 21.03 | 17:08
Francisco Tanzer "Teilzeit-Dichter" mit eindrucksvollem Werk
Er war "Teilzeit-Dichter", hat neben seinem Beruf aber ein eindrucksvolles Werk hinterlassen und zählt zu den meistvertonten Dichtern der Gegenwart: Die Rede ist von Francisco Tanzer. Das Werk des Exil-Österreichers wurde bei einer Lesung in Salzburg jetzt präsentiert.
Francisco Tanzer (Bild: Österreichisches Literaturarchiv)
Cage und Schnittke vertonten Gedichte
Prominente Musiker wie John Cage, Sofia Gubaidulina oder Alfred Schnittke haben Werke Tanzers vertont - trotzdem ist er in Österreich nie bekannt geworden. Der heuer erschienene Band "Der Österreicher in mir" soll das ändern: Er zeigt das Leben und Werk des 2003 verstorbenen Schriftstellers.

Die Schauspielerin Julia Gschnitzer las bei der Präsentation in der Salzburger Rupertusbuchhandlung aus dem Buch.
Mit US-Armee nach Deutschland gekommen
Francisco Tanzer kam am 12. September 1921 eigentlich unter dem Namen Franz Herbert Leopold Tänzer in Wien zur Welt. 1938 emigrierte der assimilierte Jude auf der Flucht vor den Nazis nach Paris und kam dann über Portugal in die USA. Dort trat er der Armee bei ist und marschierte mit ihr auf der Siegerseite ins besetzte Deutschland ein.
"Fehlen von Selbstgerechtigkeit" als Position
Und dieses Erlebnis sei das Grundthema seines Schreibens, schildert die Literaturwissenschafterin Daniela Strigl, die den neu veröffentlichten Sammelband herausgegeben hat.

"Er hatte diese Erfahrung als junger Offizier der Besatzungsmacht in Deutschland. Er kam in amerikanischer Uniform und er hat sich bei allen Verhören, die er führen musste, gefragt: Was hätte ich getan? Er hat nicht den Feind gesehen, sondern zunächst überlegt 'Ich bin ja nicht in Versuchung gekommen, ich hätte mich vielleicht auch falsch verhalten.' Und dieses Fehlen von Selbstgerechtigkeit macht seine Position auch sehr interessant und offen."
Pläne, nach Österreich zurückzukehren
Nach Ende des Krieges blieb Francisco Tanzer in Düsseldorf. Die Pläne, nach Österreich zurückzukehren, gab er allerdings nie auf. Sein Tod im Jahr 2003, im Alter von 82 Jahren, hat das Vorhaben aber zunichte gemacht.
Tochter lebt in Salzburg
Seine Tochter Maria Consuelo Tanzer hat die Liebe zu Österreich vom Vater geerbt, sie lebt heute in Salzburg. Aufgewachsen ist die heutige Pilates-Trainerin in Düsseldorf.

Den Vater als Schriftsteller hat sie aber fast nicht wahrgenommen, "obwohl ich von kleinauf eigentlich viel mitbekommen habe, wie er gearbeitet hat. Vor allem war er für mich nie der Schriftsteller, weil er so viel an den verschiedensten Dingen interessiert war, mich zum Beispiel betreut hat. Ich habe in der Jugend mit Eiskunstlauf zu tun gehabt, dann war ich sehr interessiert an Pferdesport und überhaupt an den verschiedensten Dingen."
Kein "Prototyp des Schriftstellers"
Was ihren Vater auszeichne, sei, "dass er überhaupt nicht der Prototyp des Schriftstellers war, der sich zurückzieht in sein Kämmerlein, beobachtet und um des Schreibens willen schreibt, sondern eigentlich ganz im Leben stand", resümiert die Tochter, "Man wundert sich manchmal, was eigentlich an Texten und Material da ist."
Nur in eingeweihten Kreisen bekannt
Vielleicht ist gerade das der Grund, warum Francisco Tanzer nur eingeweihten Kreisen bekannt geworden ist. Er zählt aber dennoch zu den meistvertonten Dichtern der Gegenwart.

Wer Leben und Werk von Francisco Tanzer besser kennenlernen will, kann das im Buch "Der Österreicher in mir" herausfinden, herausgegeben von Daniela Strigl. Es ist im Verlag "Edition Atelier" erschienen und kostet 19 Euro.