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DI | 14.02.2012
Strommast (Bild: APA)
HOCHSPANNUNG & KREBS?
"Wettkampf" der Strom-Gutachten
Drei Fachleute und zwei Meinungen: Im "Wettkampf" der Experten um die Frage, ob 380 KV-Leitungen die Gefahr von Krebs beim Menschen steigern können, steht es 2:1 in Salzburg und OÖ für jene, die das bestreiten.
Grenze für 380 Kilovolt bei 237 Meter
Erdkabel oder Kunststoff-Masten mit kleineren elektromagnetischen Feldern: Das schlägt Salzburgs Umweltmediziner Gerd Oberfeld für die geplante 380 KV-Leitung zwischen Elixhausen und St. Peter am Hart (OÖ) vor.

Das vom Verbund eingereichte Projekt für 14 Kilometer Stromautobahn auf Salzburger Territorium könne bei Menschen, die bis 237 Meter neben einer 380.000 Volt-Leitung wohnen, zu ernsthafter Gesundheitsgefährdung führen.

Das schreibt Gerd Oberfeld in seinem neuen Gutachten zur Umweltverträglichkeit einer solchen 380kV-"Stromautobahn". Genau entgegengesetzter Meinung ist der Umweltmediziner des Landes Oberösterreich.
Drei Gutachten - Ergebnis 2 :1
Drei Gutachten liegen jetzt in der Umweltverträglichkeitsprüfung für die geplante 380kv-Leitung in Seekirchen, Obertrum, Seeham und Berndorf vor.

Eines vom Verbund, eines vom Land Oberösterreich und eines vom Land Salzburg. Und es steht demnach zwei zu eins gegen Oberfeld.
OÖ-Umweltmediziner wie Verbund
Der oberösterreichische Landes-Umweltmediziner Thomas Edtstadler widerspricht in seinem Gutachten dem Verbund-Gutachten überhaupt nicht. Zitat:
"Das Vorhaben der Salzburg-Leitung wird in Bezug auf elektromagnetische Felder als umweltverträglich beurteilt. Aus medizinischer Sicht sind keine Maßnahmen erforderlich ...

... Es ist nicht auf eine erhebliche Belästigung oder Gefährung durch die vom Vorhaben ausgehenden elektromagnetischen Felder zu schließen."
Verbund-Experte sieht keine Gefahr
Der Verbund hat den Wiener Umweltmediziner Christian Vutuc als Gutachter ins Rennen um die Umweltverträglichkeit der geplanten 380 KV-Leitung geschickt.

Vutuc schreibt:
"Eine krebsauslösende Wirkung konnte aber bisher unter experimentellen Bedingungen im Laborversuch nicht nachgewiesen werden.

Es gibt auch keine plausiblen Erklärungsmodelle, die experimentell bestätigt werden konnten, wie derartige Felder auf den Menschen einwirken können ....

... Deshalb ist nach heutigem Stand des Wissens eine Gefährdung der Gesundheit bzw. Beeinträchtigung des Wohlbefindens von Anrainern einschließlich Kindern, alter und kranker Personen auszuschließen."
Salzburger bleibt bei seiner Meinung
Der Salzburger Umweltmediziner Gerd Oberfeld steht mit seiner Meinung in diesem bundesländer-übergreifenden Verfahren momentan allein da:
"... dass innerhalb eines Abstandes von 237 Metern dauerhafte Nutzungen - etwa für Wohn-, Arbeits- und Erholungszwecke aus umweltmedizinischer Sicht nicht empfohlen werden.

Innerhalb dieses Streifens können bei Langzeitaufenthalten gesundheitliche Gefährdungen nicht ausgeschlossen werden."
Sorge um nahes Bauernhaus
Besondere Sorgen macht sich Oberfeld um ein Bauernhaus in Berndorf, das nur 74 Meter von der geplanten 380kV-Trasse entfernt ist. Zitat:
"Damit kommt es zu einer erheblichen Überschreitung des vorgeschlagenen Beurteilungswertes um das etwa Achtfache.

Diese Überschreitung wird aus medizinischer Sicht als nicht akzeptabel beurteilt."
Welche Entscheidung kommt?
Wie geht es jetzt weiter in der Umweltverträglichkeitsprüfung für die 380kV-Salzburgleitung weiter, wenn Fachmeinung gegen Fachmeinung steht?

Die Länder Oberösterreich und Salzburg müssen sich auf eine Fachmeinung einigen und notfalls ein weiteres Schiedsgutachten anfordern.

Sollte es zu keiner Einigung kommen, entscheidet der Umweltsenat im Landwirtschaftsministerium.
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