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MI | 11.04.2012
Stromleitungen im Schnee
GUTACHTEN
Krebs durch Hochspannungsleitungen?
Hochspannungsleitungen könnten die Gesundheit von Menschen gefährden und sogar Krebs verursachen. Davor warnt der Umweltmediziner des Landes, Gerd Oberfeld, in einem aktuellen Gutachten.
Verbund ortet "mangelnde Seriosität"
Der Verbund wirft dem Salzburger Gutachter mangelnde wissenschaftliche Seriosität vor.

Es geht dabei um eine Expertise zur Umweltverträglichkeit der geplanten Stromautobahn zwischen Elixhausen und dem oberösterreichischen St. Peter am Hart.

Die besondere Brisanz an diesem Gutachten: Nicht nur die geplante 380-kV-Leitung, sondern schon die bereits bestehenden Stromleitungen sind nach Ansicht von Oberfeld gefährlich.
Gefährliche 80-Meter-Zone
Bei Menschen, die weniger als 80 Meter von einer bestehenden 220-Kilovolt-Leitung entfernt wohnen, sei eine Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische Strahlung bis hin zum Krebs nicht auszuschließen: Das steht im neuen Gutachten Oberfelds.

Der Mediziner widerspricht damit nicht nur dem medizinischen Gutachter des Verbund-Konzerns, Christian Vutuc von der Universität Wien, wonach gesundheitsschädigende Wirkungen elektromagnetischer Felder wissenschaftlich nicht seriös nachzuweisen seien.

Oberfeld zweifelt auch an den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), und zwar mit der Begründung, jüngste Studien über Langzeitwirkungen von elektromagnetischen Feldern seien in den WHO-Richtlinien nicht berücksichtigt worden.
Studien über Leukämie bei Kindern
Oberfeld führt seitenlang internationale Studienergebnisse über Leukämie bei Kleinkindern, Brustkrebs bei Ratten und Zellveränderungen durch elektromagnetische Strahlung an und fordert, die jetzige 220-kV-Trasse in Seekirchen, Obertrum, Seeham und Berndorf zu verlegen.
Verbund: "Das wäre Ende des Leitungsbaus"
Krebsgefahr 80 Meter links und rechts von 220-kV-Leitungen - das würde das Ende des Leitungsbaus in Österreich bedeuten, sagt Helmut Tamerl, ein Sprecher des Verbunds, in einer ersten Stellungnahme zu Oberfelds Gutachten:

"Der erste Eindruck unserer Experten ist, dass sich der Gutachter hier sehr stark von persönlichen Befindlichkeiten und Vorurteilen hat leiten lassen. Darüber hinaus ist der wissenschaftliche Anspruch, den sich ein derartiges Gutachten zu stellen hat, sowohl inhaltlich als auch in Hinblick auf die geforderte Objektivität häufig nicht gegeben."
"Mehr Krebsfälle im Nahbereich einer Leitung"
Besonders unseriös ist für den Verbund ein Satz im Oberfeld-Gutachten auf Seite 148, worin es wörtlich heißt:

"Dieses Gutachten erhält durch aktuelle Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten von Krebserkrankungen im Nahbereich der bestehenden 220-kV-Leitung besondere Relevanz."
Gutachter selbst darf nicht Stellung nehmen
Auf Anfrage des ORF darf Gutachter Oberfeld selbst in dem laufenden Verfahren zu diesen Verdachtsfällen von Krebs entlang der bestehenden Stromleitung derzeit keine Stellungnahme abgeben.
Internationaler Expertenstreit
Sind Starkstromleitungen nun also gesundheitsschädigend oder nicht? Darüber tobt offenbar ein internationaler Wissenschaftsstreit.

Noch steht Aussage gegen Aussage. Was Salzburg betrifft, so sind weitere Gutachten zu erwarten.
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