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MI | 11.04.2012
Koch (Bild: Fotolia/Esther Hildebrandt)
STADT SALZBURG
AK: Nobellokal beutet Mitarbeiter aus
15 Mitarbeiter des Lokals "Schmederer" in Salzburg-Parsch suchten Rechtshilfe wegen hunderter unbezahlter Überstunden. Der frühere Sous-Chef leistete innerhalb eines Jahres 800 Überstunden, die Hälfte davon ohne Bezahlung.
Als Sous-Chef des "Schmederer" waren für Kneyder 90-Stunden-Wochen und 19-Stunden-Tage normal.
90-Stunden-Wochen waren normal
Die Arbeiterkammer beschäftigt sich derzeit mit einem besonders schlimmen Fall von Verletzung von Arbeitnehmer-Rechten. Fünfzehn Mitarbeiter des Nobelrestaurants "Schmederer" in Salzburg-Parsch beschwerten sich bei der AK wegen unbezahlter Überstunden.

Einer davon ist der Koch Marius Kneyder. Kneyder war schon bei der Eröffnung des "Schmederer" dabei und zuletzt Sous-Chef. Bezahlt wurde laut Kollektivvertrag und mit einer Pauschale für 60 Überstunden im Monat 1.700 Euro auf die Hand.

Tatsächlich gearbeitet Kneyder jedoch viel mehr. Der ehemalige Sous-Chef des "Schmederer" berichtet von 90-Stunden-Wochen und Tagen, an denen er 19 Stunden unter Vollstress stand.
Heimo Typplt, Hans-Werner Mitterauer und Marius Kneyder (Bild: AK)
Innerhalb einiger Monate hat Kneyder 16 Kilo abgenommen: "Man kommt gar nicht zum Essen."
Sieben Wochen durchgehend gearbeitet
Innerhalb einiger Monate habe er so 16 Kilogramm abgenommen, schildert Kneyder.
"Man kommt gar nicht zum Essen, man ist nur unter Stress. Morgens geht man einkaufen, dann in die Arbeit, dann produziert man, dann fängt das À-la-Carte-Geschäft an, dann muss man weiterproduzieren für den Abend-Service und um 2.00 oder 3.00 Uhr in der Nacht isst man auch nichts mehr.

Er erzählt weiter: "In der Nacht ist man dann einfach froh, wenn man duschen und sich ins Bett legen kann." Denn der nächste Tag beginne ja wieder um 07.00 Uhr.

Unter diesen Bedingungen haben Kneyder und seine Arbeitskollegen wochenlang gearbeitet - während der Festspielzeit sogar sieben Wochen am Stück.
Verschwundene Zeittafeln
Kneyder berichtet auch von verschwundenen Zeittafeln und Anweisungen, Dienststundenblätter ohne Überstunden zu unterschreiben.

Kneyder schildert: "Nach der Festspielzeit haben wir den Herrn Kaltenbacher angesprochen, was denn mit den ganzen Überstunden ist. Daraufhin ist er fast ausgeflippt und hat gesagt, ob wir denn nicht wissen, wo wir arbeiten - bei ihm würden keine Überstunden bezahlt."
AK-Präsident Siegfried Pichler (Bild: ORF) Schwarze Schafe an den Pranger stellen
Für Arbeiterkammerpräsident Siegfried Pichler ist dieser Fall ein Grund, den Tatort Restaurant Schmederer namentlich zu nennen: "Wir nennen deshalb Namen, weil wir glauben, dass die schwarzen Schafe, die das systematisch machen an den Pranger gestellt werden müssen. Es ist kein Kavaliersdelikt und wir werden in Zukunft öfter Namen nennen."

Mario Kaltenbacher, der Pächter des Restaurants "Schmederer" in Salzburg-Parsch, konnte bisher nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden.
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