Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
Gemüse essen (Bild: bruno/aboutpixel.de)
WIRTSCHAFT
EHEC-Angst: Bauern wehren sich
Aufgrund des EHEC-Keims sind viele Salzburger verunsichert, welches Gemüse sie essen sollen und das merken vor allem die Gemüsebauern. Sie wehren sich nun gegen die - ihrer Meinung nach - ungerechtfertigte Panikmache.
Trotz EHEC-Entwarnung in Salzburg sind die Konsumenten verunsichert.
Gemüseabsatz teilweise eingebrochen
Jene 82-Jährige, die in Salzburg wegen einer EHEC-Erkrankung behandelt wird, leidet nicht an der aggressiven Form des Keimes. Das teilte die Landessanitätsdirektion am Freitag mit. Somit gibt es in Salzburg noch keinen Fall der schweren EHEC-Krankheit.

Der Gemüseabsatz vor allem im Lebensmitteleinzelhandel ist trotzdem eingebrochen. Die Bauern wehren sich nun gegen die - ihrer Meinung nach - ungerechtfertigte Panikmache der vergangenen Wochen.
Walser Bauern trifft Angst am härtesten
Rund 90 Prozent des in Salzburg produzierten Gemüses stammen aus Wals (Flachgau). Die dortigen Bauern trifft die Angst vor dem EHEC-Erreger daher auch am härtesten.

Der Walser Bürgermeister Ludwig Bieringer fasst die Wut der Bauern zusammen: "Ich finde es eine Schweinerei, dass da selbsterfannte Experten einfach Behauptungen aufstellen, ohne einen wissenschaftlichen Hintergrund zu haben und angeben, dass die Gurke oder Tomate schuld ist und dann stellt sich heraus, dass sie doch nicht schuld ist."

Bieringer betont, dass ganze Familien betroffen seien, denen ein immenser wirtschaftlicher Schaden entstehe, der durch nichts zu rechtfertigen sei.
Gemüse. (Bild: ORF) Noch kein großer Schaden für Bauern
Laut Pauline Trausnitz von der Berufsvereinigung des Salzburger Erwerbsgartenbaues hält sich der wirtschaftliche Schaden der Walser Gemüsebauern bisher noch in Grenzen, aber die Bauern seien verunsichert.

"Die Bauern haben Angst vor den nächsten zwei bis drei Wochen. Die Felder sind voll mit erntefähigem Gemüse und der Absatz an den Lebensmitteleinzelhandel und an die Gastronomie ist eingebrochen", beschreibt Trausnitz die Sicht der Bauern.
Abhofverkauf floriert
Neben dem Verkauf an Einzelhandel und Gastronomie haben die Walser Gemüsebauern noch ein zweites Standbein: Den Abhofverkauf. Und genau dieser Abhofverkauf floriere im Moment besser als vor der EHEC-Krise, sagt Biobauer Johann Winklhofer aus Viehhausen.

"Momentan kommen wir mit einem blauen Auge davon, weil wir merken, dass die Kunden in der Region wieder den direkten Kontakt zum Erzeuger suchen. Wenn sie sich den Betrieb vor Ort anschauen können, dann haben sie das Gefühl, da sind sie gut aufgehoben", so Winklhofer.

Winklhofer und die anderen Walser Gemüsebauern hoffen, dass der Trend des Abhofverkaufs auch nach EHEC weiterhin anhält.
Angst vor EHEC schadet auch dem Handel
Die Probleme mit dem EHEC-Keim schaden nicht nur den Landwirten massiv, sondern auch dem heimischen Handel. Das beklagt SPAR-Konzernsprecherin Nicole Berkmann.

"Wir hatten bei den Gurken Umsatzrückgänge von 30 bis 40 Prozent zu verzeichnen. Jetzt hat sich die Lage wieder halbwegs normalisiert. Wir sind mit den Umsätzen zwar noch nicht dort, wo wir um diese Jahreszeit eigentlich sein müssten, aber sie gehen kontinuierlich nach oben", so Berkmann.

Um den Kunden die Unsicherheit zu nehmen, seien vor allem die Mitarbeiter gut informiert worden, erklärte Berkmann. "Wir haben unsere Mitarbeiter informiert, dass wir ausschließlich österreichische Ware führen und wir versuchen sie auf dem Laufenden zu halten, damit sie den Kunden gut Auskunft geben können", sagte die SPAR-Sprecherin.
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