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MI | 11.04.2012
Börse (Bild: APA)
WIRTSCHAFT
Treichl: "Nächste Finanzkrise kommt bereits"
Die nächste Wirtschaftskrise kommt mit großen Schritten auf uns zu, aber die Politik unternimmt nichts dagegen. Davor warnt Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender von Österreichs größter Bankengruppe, bei einer Veranstaltung am Freitag.
Treichl: Branche hat kaum aus Krise gelernt
Die Finanzkrise, die im Herbst 2008 mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ihren Ausgang genommen hatte, habe die Branche in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt, sagte erste-group-Chef Andreas Treichl am Freitag bei einer Diskussionsveranstaltung in Salzburg zu der der Seebrunner Kreis geladen hatte.

"Ich sehe jetzt eine riesige Gefahr dadurch, dass meine Branche relativ wenig aus der Krise gelernt hat. Denn die Chancen unfassbar schnell unfassbar viel Geld mit nicht traditionellem Geschäft zu verdienen, sind unheimlich hoch. Ich glaube, dass die nächste Krise nicht über die Immobilien, sondern über die Rohstoffe kommen wird. Es kommt die nächste Krise und sie wird noch ärger sein, als die jetzige", meint Treichl.
Treichl (Bild: APA/ROLAND SCHLAGER) Deutsche Banken gehen bereits anderen Weg
Die Banken im mittelosteuropäischen Raum seien noch zum allergrößten Teil dem traditionellen Bankgeschäft verbunden, sagt der Finanzexperte, also Spareinlagen hereinnehmen und Kredite vergeben. Die Deutsche Bank dagegen gehe bereits einen völlig anderen Weg.

"Wir haben eine Bilanzsumme von weit über 200 Milliarden Euro und spekulieren mit sieben. Eine deutsche Bank hat einen Bilanzsumme von 2.000 Milliarden und spekuliert mit 1.500. Das sind völlig andere Dimensionen", argumentiert Treichl.

Die Politik habe die Kreditvergabe in den letzten Jahren erschwert, zum Teil zu Recht, ergänzt der erste-group-Chef. Um die Sicherheit von Anleihen habe sich jedoch niemand gekümmert, kritisiert der Bankmanager.
Treichl befürchtet nicht nur negative wirtschaftliche Folgen für Österreich.
"Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig"
"Ein Beispiel: Eine Firma, die ich seit 100 Jahren kenne, die noch nie einen Verlust gemacht hat und 50 Prozent Eigenkapital hat, möchte jetzt einen Kredit von mir haben. Dann brauche ich als Bank heute zehn Mal so viel Eigenkapital, wie wenn ich eine Anleihe an Griechenland vergebe, wo ich jetzt schon weiß, dass die wenn dann nur über die Steuerzahler zurückgezahlt werden kann", so Treichl und ergänzt:

"Das ist eine Frechheit, das ist ein ganz grober Fehler. Unsere Politiker sind zu blöd und zu feig dazu und zu unverständig dafür, weil sie von der Wirtschaft keine Ahnung haben um dagegen zu wirken und das wird Österreich schaden und wir werden hinter andere Länder zurückfallen."

Andreas Treichl fürchtet neben den wirtschaftlichen Auswirkungen auch negative politische Folgen. Eine Demokratie, die solchen Auswüchsen nichts entgegen setzen könne, verliere ihre Legitimation und öffne politischen Scharlatanen Tür und Tor.

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