Salzburg ORF.at
MI | 11.04.2012
"Paracelsus" in Salzburg des wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstrittenen Bildhauers Josef Thorak. Bild: Gerald Lehner
KULTUR
Neues Projekt zu Thoraks NS-Skulpturen
Hitlers Lieblingskünstler Josef Thorak, dessen Skulpturen noch immer unkommentiert im öffentlichen Raum Salzburgs stehen, ist im Mittelpunkt des neuen Kunstprojektes "Abgestellt". Es soll zum Nachdenken anregen.
"Kopernikus" in Salzburg des wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstrittenen Bildhauers Josef Thorak. Bild: Gerald Lehner
Thoraks Kopernikus & Paracelsus (ganz oben)
"Nationalsozialismus hat Stars gemacht"
Thorakjs Name schmückt noch immer eine Straße in Salzburg-Aigen, zwei Skulpturen aus dem Atelier des NS-Künstlers zieren seit langem den Salzburger Kurgarten. Wer seinen Lebens- und Berufsweg nicht kennt, könnte Thorak für einen honorigen Salzburger halten.

Es geht nicht nur um die Skulpturen von Thorak und die nach ihm benannte Straße, sondern auch um jene Figuren, die in den Parkanlagen rund um die Landeskrankenanstalten stehen.

Sie alle wurden von Künstlerstars der Nazizeit geschaffen, sagt die Kunstmanagerin und Kunsthistorikerin Hildegard Fraueneder: "Wenn ich sage, nationalsozialistische Künstlerstars, dann meine ich das System. Der Nationalsozialismus hat bestimmte Künstler zu Stars gemacht."
Skulptur von Josef Thorak im Mirabellgarten (Bild: ORF)
Umstrittene Josef Thorak-Straße in Salzburg-Aigen. Bild: Gerald Lehner
Thorak-Straße in Salzburg-Aigen
Moderne Kunst reagiert mit eigenen Mitteln
Studierenden der Salzburger Universitäten haben zum Beispiel eine Befragung der Bewohner der Josef Thorak-Straße gemacht. Sie wollen die Kopernikus-Statue mit einem Klettergerüst umbauen, oder haben die Skulpturen auf Topflappen gedruckt.

Einerseits soll durch diese Projekte die Forschung intensiviert werden, betont Fraueneder: "Andererseits hat die zeitgenössische Kunst ihre Mittel und Methoden, immer wieder andere Blicke auf diese Arbeiten zu werfen."

Die Expertin fragt sich deshalb, ob unbedingt Zusatztafeln nötig wären, um den politisch-zeitgeschichtlichen Hintergrund dieser Skulpturen zu erklären?
Diskussion auch über Max Rieder
Bei dem Projekt wurde auch die Skulptur von Max Rieder einbezogen. Diese "Mutter und Kind" war in einer Ausstellung "Deutsche Künstler und die SS" 1944 in Salzburg zu sehen.

Die Nachkommen des Salzburger Künstlers wehren sich. Rieder sei nie ein Nazi gewesen, sagt seine Tochter Eleonore Tinzl: "Er hat niemals einen Auftrag von den Nationalsozialisten gehabt. Er war ein freier Mitarbeiter bei Thorak von 1938 bis 1944."
Max Rieder "dreimal bei der 'Großen Deutschen Kunstausstellung'".
Formensprache der Nazikünstler genutzt
Max Rieder "hat dreimal bei der 'Großen Deutschen Kunstausstellung' teilgenommen", kontert Hildegard Fraueneder, "Und er hat - wie der Katalog zeigt - bei der Ausstellung 'Deutsche Künstler und die SS' teilgenommen. Es ist ganz wichtig, dass wir bei der Auseinandersetzung mit der Thematik nicht mit einer Moral-Keule da drüberschlagen, sondern wir müssen versuchen, uns dieser Thematik anzunähern."

Max Rieder habe in dieser Zeit, so die Kunsthistorikerin, die Themen und die künstlerische Formensprache der Nazikünstler genutzt.
Präsentationen an Orten und Stellen
Mittwoch und Donnerstag präsentieren die Studierenden am Nachmittag ihre Kunstprojekte zum Thema NS-Kunst im Mirabellgarten und im Park der Landeskrankenanstalten präsentieren.

Gefragt sind nicht nur die Meinungen der Sachverständigen. Alle Bürger sollen sich eine Meinung zum Umgang mit Nazi-Kunst und Salzburgs Nazi-Erbe bilden.
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