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MI | 11.04.2012
Roulett im Casino (Bild: APA)
POLITIK
Anti-Raucher: Staat ist mild zu seinen Casinos
In den ertragreichen Spielcasinos bringt der Staat seine Anti-Nikotin-Gesetze milder zur Anwendung. So genannter "Kompromiss": Casinos werden nun als Gaststätten definiert und sollen Raucher- und Nichtraucher-Zonen schaffen.
Rauchen gefährdet die Gesundheit. Bild: APA Schlupfloch als "nicht-öffentliche" Räume?
Viele Spieler rauchen gern.

Und am 1. Juli soll das neue Tabakgesetz die Mitarbeiter und Nichtraucher in Gastronomiebetrieben schützen. Das hat die Casinos Austria AG - an der der Staat stark beteiligt ist - in Zugzwang gebracht. Ursprünglich wollte das Unternehmen seine Spieltempel als "nicht-öffentliche" Räume deklarieren lassen.

Das hätte bedeutet, dass dort weiter geraucht werden dürfte - wie eh und je. Um Debatten zu vermeiden, wurde ein Kompromiss gefunden: Casinos werden künftig als Gaststätten definiert.
Casino Salzburg (Bild: ORF.at/Dominique Hammer) Deutschland hat klarer entschieden
In den meisten deutschen Casinos darf nicht geraucht werden. Hierzulande ist das immer noch anders, und das wird sich auch nach dem 1. Juli nicht ändern. Trotz nun gesetzlich verankertem Mitarbeiter- und Nichtraucherschutz soll etwa hier im großen Spielsaal des Salzburger Casinos im Schloss Klessheim weiter gepafft werden.

Die heimischen Casinos gelten nämlich künftig als Gaststätten, das heißt der größere Teil des Spieltempels muss rauchfrei sein. Das geht sich auch aus beim Zusammenrechnen sämtlicher Räume und durch das Einziehen einer Glaswand.

Der Salzburger Casino-Direktor darf zu diesem Thema nicht vor die Kamera, deshalb gibt es aktuelle Bilder nur aus dem Internet. Die Aschenbecher im großen Hauptspielsaal werden also auch am 1. Juli nicht verschwinden.
"Kompromiss" zur Sicherung der Profite
Dass es sich hier um einen "Kompromiss" handelt, der die reichlichen Steuereinnahmen aus dem Betrieb mit starker Staatsbeteiligung nicht gefährden soll, wird offiziell nicht bestätigt.

Österreichs Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) betont, es dürfe jedenfalls dann nicht geraucht werden, wenn ein Casino keine Gaststätte sei. Die ORF-Redakteurin fragt den Politiker, wie das unterschieden werde. Stöger: "Gaststätten sind Gaststätten, und dann gilt die Regelung der Gaststätten."
Hohe Einnahmen: Doppelmoral der Politik?
Seitdem ein Rauchverbot in deutschen Casinos gilt, brechen dort die Einnahmen massiv ein. Das bestätigen auch die Casinos Austria International, die in Niedersachsen Casinos betreiben.

Im Gegenzug legte das Salzburger Casino im vergangenen Jahr um fast 14 Prozent zu, weil rauchende Besucher über die Grenze nach Salzburg kommen.

Auf diese Einnahmen wird der Finanzminister wohl auch in Zukunft nicht verzichten müssen und auch nicht wollen.
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