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RELIGION |
16.03.2010 |
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Kirchenaustrittswelle in Salzburg
Die Welle der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zieht in Salzburg die erwartete Kirchenaustrittswelle nach sich. In der Stadt Salzburg hat sich die Zahl der Austritte verdoppelt, auch in den Gauen steigen sie.
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"Signifikante Austrittswelle"
Im Salzburger Dombezirk herrscht frostige Stimmung: In der Landeshaupstadt dürften sich die Kirchenaustritte nahezu verdoppeln. Das zeigen die Zahlen der ersten beiden März-Wochen.
"Es gibt eine signifikant gestiegene Austrittswelle", sagt Bernd Huber, Büroleiter des zuständigen Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP), "Wir haben mit Montag 150 Austrittsfälle in der Stadt Salzburg. Das ist ein Wert, der doppelt so hoch wie in sonstigen Monaten liegt. Zum Vergleich: Voriges Jahr zum Höhepunkt der Bischof-Wagner-Affäre waren es 200 Austritte, im März 2008/09 waren es ungefähr um die 80 Austritte."
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Hauptgrund für Austritte. |
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"Sehr deutliche Worte" zu Missbrauchsfällen
Der Hauptgrund für die Austrittswelle ist laut Huber klar: "Es sind sehr viele Leute, die ihren Unmut über diese Missbrauchsaffäre äußern - auch in sehr deutlichen Worten."
Die Austritte seien nun auch deshalb mehr, weil den Kirchenmitgliedern, wie immer im ersten Quartal, die Vorschreibungen für den Kirchenbeitrag vorliegen: "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Zahlen dann wieder abflachen und ein 'übliches' Maß erreichen werden."
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Ähnliche Entwicklung in anderen Bezirken
Auch in den anderen Salzburger Bezirken - ausgenommen im Lungau - haben die Austritte zugenommen.
Bemerkenswert sind die Zahlen im Flachgau: Noch im Februar sanken dort die Austritte im Vergleich zum Vorjahr von 247 auf 128 um fast die Hälfte gesunken. Im März - mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle - stiegen sie wieder: von 133 im gesamten März 2009 auf 101 allein in der ersten Märzhälfte 2010.
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Erwartung der Erzdiözese Salzburg. |
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Einnahmenverlust von halber Million
Beim Finanzkammerdirektor der Erzdiözese, Josef Lidicky, läuten deshalb die Alarmglocken: "Wenn ich die Ziffern des letzten Jahres heranziehe, damals hatten wir etwa 4.440 Austritte, umgelegt auf den Durchschnitt des Jahreskirchenbeitrages bedeutet das einen Einnahmenverlust von rund 540.000 Euro."
Durchschnittlich bezahlt jeder Salzburger Katholik rund 125 Euro Kirchenbeitrag pro Jahr. Die gut halbe Million Euro, die nach den Austritten auch heuer mindestens im Budget fehlen dürfte, zwingt zum Einsparen: "Das ist ein Thema für das kirchliche Bauen, das könnte auch eine Frage sein, welche wichtigen kirchlichen Einrichtungen wir uns nicht mehr im bisherigen Umfang leisten können", sagt Lidicky.
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"Seismograph für Enttäuschung"
Auch die Präsidentin der Katholischen Aktion Doris Witzmann ist besorgt- und sauer über das bisherige Schweigen in Rom: "Hier in Salzburg wird sehr wohl darüber geredet. Und ich möchte auch aussrücklich sagen, wie wichtig das ist. Grundsätzlich ist es für mich so etwas wie ein Seismograph für Enttäuschung, für Frustration, auch für Ohnmacht."
In der katholischen Kirche und auch in den Bezirkshauptmannschaften rechnet man mit weiteren Enthüllungen und deshalb auch noch mit weiterhin mehr Kirchenaustritten.
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news.ORF.at; 16.3.10
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