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KIRCHEN-SKANDALE |
11.03.2010 |
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Kothgasser: "Zölibat zur Diskussion stellen"
Er schäme sich sehr für die katholische Kirche, besonders wegen des vielen Leids, das Priester durch sexuellen Missbrauch jungen Menschen angetan hätten. Das sagte Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser im ORF-Interview.
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Ehelosigkeit abschaffen?
Teilt Kothgasser die Meinung von Kardinal Schönborn, wonach man über den Zölibat mehr reden sollte? Sollte die Ehelosigkeit der Priester gelockert werden?
Die Kirche müsse in ihrer heutigen Lage überlegen, ob der Zölibat eine angemessene Lebensform sei, sagte der Salzburger Erzbischof: "Die Zeiten und die Gesellschaft haben sich verändert. Und deswegen wird die Kirche überlegen müssen, wie sie diese Lebensform weiterpflegen kann, oder was sie verändern muss."
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Eigener Umgang mit Sexualität
Kothgasser antwortete auch auf eine sehr persönliche Frage: Wie ist es ihm als Priester in seinem Leben mit der Sexualität gegangen? Er habe wie seine Studienkollegen eine sehr gute Ausbildung diesbezüglich gehabt, so Kothgasser:
"Auch wegen eines möglicherweise zu engen Kontaktes mit Jugendlichen. Als Salesianer von Don Bosco sind wir Erzieher. Und wir wurden immer wieder darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche nicht angerührt werden dürfen; was ja auch in der Bibel steht. Dass ab und zu die Sehnsucht auftaucht, eine Familie zu haben, das ist wohl klar - auch wenn man ab und zu schönen Menschen begegnet, dann erwacht sicher etwas, was zu uns Menschen gehört. Das ist doch ganz natürlich."
Man müsse sich dann halt stets überlegen, wofür man sich entschieden hat, sagt der Erzbischof.
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 Im Gespräch mit ORF-Redakteur Karl Kern.
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Viele Austritte in den letzten Tagen
Er könne es schon verstehen, dass Menschen aus der Kirche austreten, nach allem, was vorgefallen sei:
"Viele Gläubige sind motiviert, ein wirklich christliches Leben zu führen. Wenn sie dann solche Beispiele sehen, wo gerade das Gegenteil geschieht, da wird es in der Kirche ein starkes Bemühen geben müssen, um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu leben."
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"Mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit"
Die Missbrauchsopfer hätten an Leib, Geist und Seele großen Schaden genommen, sagt der Erzbischof. Was sagt Kothgasser zur Ansicht eines steirischen Bischofs, wonach es in der Kirche noch immer eine Unkultur des Vertuschens gebe?
"Es hat in der Vergangenheit diesbezüglich viele Fehler gegeben, das müssen wir leider Gottes sagen. Es wird nur schwer zu überwinden sein. Darum brauchen wir ein ganz neues Bemühen um mehr Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Diese stünden uns vom Evangelium her gut an."
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 Stephansdom zu Wien: Einst Hans Hermann Groers Kathedrale, mit dem vor Jahren in Österreich die Debatte um sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester begann. |
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Mahnende Worte seit Jahren sinnlos?
ORF-Redakteur Karl Kern weist auf den viele Jahre zurückliegenden Skandal wegen des verstorbenen Wiener Kardinals und Erzbischofs Hans Hermann Groer hin, der ebenfalls des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurde. Damals habe es aus der Kirche exakt gleiche Aussagen gegeben, dass man mehr tun müsse für die Ehrlichkeit.
Kothgasser ist der Ansicht, dass man in der Zwischenzeit schon versucht habe, Dinge aufzuklären und ihnen auf den Grund zu gehen: "Es ist aber noch nicht die nötige Offenheit da. Es gibt noch immer eine gewisse Scheu, die aber unbedingt überwunden werden muss, wenn wir unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen."
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ORF.at
Das Bekanntwerden ständig neuer Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld hat eine Grundsatzdiskussion über den "Männerverein" katholische Kirche losgetreten. Sogar die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" fragt sich inzwischen, ob Frauen in hohen Kirchenämtern nicht den "Vorhang männlicher Verschwiegenheit" zerreißen könnten. Auch das Zölibat wird nun auch von kirchlichen Würdenträgern infrage gestellt. Beim Papst ist die Debatte noch nicht angelangt, wie er durch seine Äußerungen am Donnerstag bewies.
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salzburg.ORF.at; 11.03.10
Wegen einer Flut von Anfragen zu möglichen Missbrauchsfällen in der Kirche muss die Erzdiözese Salzburg nun ihre Ombudsstelle erweitern.
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10.03.10
Nach dem Missbrauchsskandal im Stift St. Peter und anderen Fällen droht der katholischen Kirche eine neue Serie von Austritten. Seit Dienstag erkundigen sich bei Behörden der Stadt Salzburg weit mehr Austrittswillige als sonst.
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