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MI | 11.04.2012
"Vanitas" in der alten Salzburger Domkrypta (Bild: APA/VG-Bild Kunst, Bonn)
STADT SALZBURG
Neues Kunstwerk in Domkrypta zugänglich
Die Salzburg Foundation hat am Freitag ihr achtes Kunstwerk im öffentlichen Raum in der Stadt Salzburg präsentiert. In der konradinischen Domkrypta hat Christian Boltanski seine Installation "Vanitas" aufgestellt.
Kaum Diskussionen im Vorfeld
Seit 2002 stellt die Salzburg Foundation jedes Jahr ein Kunstwerk in der Stadt Salzburg auf - darunter auch solche, die heftige Proteste auslösen wie den Kubus von Anselm Kiefer oder die Mozart-Statue von Markus Lüpertz.

Über die Installation "Vanitas" gab es im Vorfeld dagegen kaum Diskussion - wurde doch für das Kunstwerk des Franzosen Christian Boltanski doch die Krypta des alten konradinischen Doms wieder zugänglich gemacht und renoviert.
Im 17. Jahrhundert zugeschüttet.
Mittelalterliche Krypta wieder benutzt
Die mittelalterliche Krypta liegt unter dem Residenzplatz und wurde beim Bau des derzeitigen Salzburger Doms im 17. Jahrhunert zugemauert und zugeschüttet.

In den 1950er Jahren wurde zwar ein Teil der Krypta wieder freigebaggert und über eine Außentreppe zugänglich gemacht, aber nie sinnvoll genutzt: "Dieser Raum mit 98 Prozent Luftfeuchtigkeit hatte den Charme einer Tropfsteinhöhle", sagt Landeskonservator Ronald Gobiet.
Foundation von Ort begeistert
Dass die Krypta jetzt saniert und vom heutigen Dom wieder zugänglich gemacht wurde, ist Domkustos Balthasar Sieberer zu verdanken: Er hat den künstlerischen Leiter der Salzburg Foundation, Walter Smerling, für die Krypta als Kunstort begeistert.

Smerling engagierte dann Boltanski für die Arbeit in der damals noch feuchten und finsteren unsanierten Krypta: "Boltanski ist Spezialist für Räume mit Vergangenheit. Er stellt sich sensibel auf den Ort ein und gilt als stiller Mahner, der Tod, Erinnerung und Religion künstlerisch in Erinnerung ruft."
Christian Boltanski mit den Figuren (Bild: APA/Neumayr)
Schatten kleiner Metallfiguren an der Wand
Bei dem Kunstwerk selbst projizieren Kerzen die Schatten kleiner Metallfiguren an die Wand. Dazu zieht ein Todesengel per Videobeamer seine Kreise durch die Krypta und eine Tonbandstimme leiert den Countdown der Ewigkeit herunter.

"Meine 'Vanitas' ist eine Parabel auf die Zeit", betont der Künstler, "Philosophen, Theologen und Künstler haben immer die gleichen Fragen nach Tod und Leben, Vergänglichkeit, Zeit, Gott und Religion gestellt. Auch ich frage nach der Wahrheit und zwar mit heutigen Vokabular. Ich versuche, die Zeit sichtbar zu machen. Und Gott ist der König der Zeit."
Sanierung der Krypta teilen sich Bund, Stadt, Land und Domkirchenfonds.
Kunstwerk privat finanziert
Das Kunstwerk hat die Salzburg Foundation zur Gänze privat finanziert. Die Sanierung der alten Domkrypta, die rund eine halbe Million Euro gekostet hat, haben Bundesdenkmalamt, Stadt und Land Salzburg sowie der Domkirchenfonds bezahlt.
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