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MI | 11.04.2012
Depression (Bild: Fotolia/gajatz)
WISSENSCHAFT
Sicherheitsgefühl hilft gegen Depressionen
Die Wiener Wissenschaftlerin Daniela Pollak wurde jetzt bei einer Tagung in Salzburg ausgezeichnet. Sie hat entdeckt, dass die Stärkung des Sicherheitsgefühls eine ähnliche antidepressive Wirkung hat, wie Psychopharmaka.
An der Columbia Universität geforscht
Wie kommt es zu krankhafter Angst und damit oft zu Depressionen? Und was kann man dagegen tun? Diese Fragen hat die 30-jährige Neurowissenschaftlerin Daniela Pollak untersucht, und zwar im Labor des Medizin-Nobelpreisträgers Eric Kandel an der Columbia Universität in New York.

Durch die Untersuchung in einem Verhaltensmodell an Mäusen ist die Wienerin zu ihren interessanten Erkennissen gekommen.
Experimente an Mäusen
Wenn sich die Mäuse auf Signale von Sicherheit verlassen konnten, verminderten sich die durch Angst hervorgerufenen depressiven Eigenschaften, wie zum Beispiel Lethargie, deutlich. Die antidepressive Wirkung war vergleichbar mit der von Psychopharmaka.

Als Sicherheitssignal interpretierten Mäuse etwa einen Ton, auf den niemals unangenehme Erfahrungen folgten. Der Ton konnte dann allgemein zum Angst- und Depressions-Abbau eingesetzt werden.
Möglicherweise könnte eine ähnliche Wirkung bei Menschen erzielt werden.
"Vergleichbare Werte bei Menschen"
Es wäre also ein wichtiger Therapieansatz bei Depressionen, wenn man das Gefühl von Sicherheit fördert und stärkt.

"Man kann natürlich von den Tieren nichts eins zu eins auf den Menschen umsetzen. Aber wir haben ein vergleichbares Protokoll mit Menschen gemacht und wir haben gesehen, dass man wirklich Veränderungen sieht, die darauf schließen lasssen, dass möglicherweise ein ähnlicher Vorgang beim Menschen aktiviert werden könnte, etwas das ähnlich antidepressiv wirkt", sagt Pollack.
Kein Ersatz für Psychopharmaka
Als völligen Ersatz für Psychopharmaka bei Depressionen sieht Daniela Pollak das Verhaltenstraining zur Stärkung des Sicherheitsgefühls aber nicht.

"Wenn Psychotherapie wirkt, dann muss sich etwas im Gehirn verändern. Das muss nicht genau das Gleich sein, was sich verändert, wenn man von außen mit pharmakologischen Substanzen kommt. Das heißt, es gibt sicher alternative Wege, die sich im Idealfall komplementieren", meint Pollak.

Da Depressionen stark zunehmen, ist der Bedarf nach effektiven Therapien groß.
Höchster Preis für Jungwissenschaftler
Daniela Pollak wurde bei der Tagung in Salzburg mit dem "Otto-Loewi-Preis" ausgezeichnet. Das ist mit 5.600 Euro der höchstdotierte Preis für junge österreichische Neurowissenschaftler.
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