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DI | 14.02.2012
Alois Kothgasser (Bild: Erzdiözese Salzburg)
KATHOLISCHE KIRCHE
Warnung vor "Gesundschrumpfen" zu Sekte
In der Diskussion über die Rehabilitation der ultakonservativen Piusbruderschaft hat Erzbischof Alois Kothgasser am Dienstag Stellung bezogen. Er warnt die katholische Kirche vor einem "Gesundschrumpfen" in Richtung Sekte.
Kothgasser gegen Einschränken auf "wenige, linientreue Mitglieder."
Kirche soll "ihre Weite bewahren"
Für Kothgasser zeigt die jetzige Diskussion um die Politik der katholischen Kirche eine Grundfrage: "Soll die katholische Kirche gesundgeschrumpft werden gleichsam auf eine Sekte, wo nur wenige, dafür linientreue Mitglieder dabei sind, oder soll die katholische Kirche Kirche Jesu Christi bleiben, die Raum für Vielfalt bietet, offen ist und die Gesellschaft von innen her prägt?"

Für den Salzburger Erzbischof ist es "notwendig, wenn die Kirche sich den Menschen zuwendet und ihre Weite bewahrt. Wenn das Vertrauen in die Ortskirche fehlt, beginnt auch das Vertrauen in die zentrale Autorität der Universalkirche zu schwinden."

Für Kothgasser ist es "vielleicht an der Zeit, das Zweite Vatikanische Konzil wieder zu vermitteln in der Erzdiözese, auch indem wir die Texte des Konzils bedenken und ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken."
Austrittswelle wundert Kothgasser nicht
Die Kirchenaustrittswelle der letzten Tage wundert Kothasser im ORF-Interview deshalb nicht: "Die Menschen verstehen nicht mehr, wenn wir soviel von Vernunft reden und dann relativ unvernünftig sind. Der Kardinal Doepfner aus München hat einmal gesagt: Ab und zu steht sich die Kirche selber im Weg."
Für Kothgasser ist Ansicht, dass Homosexualität heilbar sei, "eine Verurteilung dieser Menschen."
Wagners Haltung zu Homosexualität "gewagt"
Zur Bestellung des umstrittenen neuen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner betont Kothgasser: "Ich kenne den Dr. Wagner persönlich nicht, ich bin ihm noch nie begegnet." Aber: "Wenn's darum geht, die Konfrontation zu suchen - dann frage ich mich: Was haben wir als Erstes zu tun?"

Die Äußerungen Wagners - etwa, dass Homosexualität heilbar sei - seien "gewagt", ergänzt der Salzburger Erzbischof: "Das müssen Ärzte, müssen Therapeuten wirklich überprüfen und dann sehen, was die Ergebnisse heutiger, ernsthafter Wissenschaften sind. Aber das kann man sicher nicht sagen, dass es eine Krankheit ist. Denn das wäre ja nahezu eine Verurteilung dieser Menschen."
Kritik an Art der Bestellung Wagners
Auch die Art und Weise der Bestellung Wagners ärgert Kothgasser: "Ich hätte gedacht, dass wir gewisse Zeiten hinter uns hätten - das heißt, wo Bischofsernennungen in Ruhe verlaufen könnten. Ich hätte auch gemeint, dass das gegenseitige Vertrauen - vor allem das Vertrauen zur Ortskirche - wirklich real ist. Und da muss man sich nicht wundern, wenn dieses Vertrauen nicht gegeben ist."
"Nicht zu erwarten, dass es zu Wiedervereinigung kommt."
Piusbruderschaft "nicht auf Boden der Kirche"
Die von Papst Benedikt XVI. ausgesprochene Rehabilitation der ultrakonservativen Piusbruderschaft sieht Kothgasser als Teil des Anliegens, "die Einheit der Kirche wieder herzustellen."

Dass das gelingt, erscheint dem Salzburger Erzbischof aber unwahrscheinlich - denn: "Wer das Zweite Vatikanische Konzil ablehnt, befindet sich nicht auf dem Boden der römisch-katholischen Kirche. Und nach all den Aussagen von Mitgliedern der Piusbruderschaft über wichtige Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ist nicht zu erwarten, dass es zu einer Wiedervereinigung kommen kann, wenn die Bedingungen dafür nicht eindeutig und klar formuliert sind."

Für Kothgasser haben sich die Piusbrüder "eigentlich selbst auf der katholischen Kirche ausgeschlossen. Wenn es zutreffen sollte, dass in der Piusbruderschaft weitere Priesterweihen gegen das ausdrückliche Mandat des Papstes geplant sind, so ist es eindeutig, dass der Wille zur Einheit nur auf der einen Seite real vorhanden ist."
Holocaust-Leugung "für niemanden zulässig"
Die Holocaust-Leugnung der den Piusbruder Bischof Richard Williamson ist für Kothgasser "für niemanden zulässig - weder aus intellektuellen noch aus moralischen Gründen. Und es kann auch bei niemandem toleriert werden." Holcaust-Leugner "disqualifizieren sich selbst."
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